Was ich von meiner Hündin Lotti gelernt habe
- Katja Hammerschmidt

- vor 3 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Stunde
Pure Lebenslust und bedingungslose Liebe

Eigentlich sollte Lotti gar nicht unser Hund werden.
Wir hatten uns per Foto einen Hund aus dem Tierschutz ausgesucht und fuhren zur Pflegefamilie, um ihn kennenzulernen. Auf der Fahrt dorthin stellten wir fest, dass wir Name und Foto der Hunde vertauscht hatten. Lotti war gar nicht der Hund vom Bild.
Egal, wir sind trotzdem zur Pflegefamilie gefahren. Vor Ort angekommen, wuselte Lottis Schwester Blacky die ganze Zeit um uns herum und forderte Streicheleinheiten ein. Lotti hielt sich ein wenig schüchtern im Hintergrund. Dennoch haben wir uns sofort in Lotti verliebt und nicht eine Sekunde gezweifelt, dass sie zu uns gehört. Lotti war unser Hund, sie und keine andere. Heute glaube ich, Lotti hat sich uns ausgesucht, nicht wir sie. Und was ich von meiner Hündin gelernt habe, prägt mich bis heute.
Dieser Artikel ist mein eigener Beitrag zu meiner Blogparade Was ich von meinem Tier gelernt habe. Wenn Du magst, erzähl auch Du Deine Geschichte. Wie das geht, liest Du in meinem Beitrag Aufruf zur Blogparade: Was ich von meinem Tier gelernt habe.
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Inhaltsverzeichnis
Wie Lotti zu uns kam
Lotti kam aus dem Tierschutz in Griechenland. Man hatte sie zusammen mit ihrer Schwester in einem Pappkarton vor dem Tierheim gefunden. Im Tierheim wurde sie drei Monate lang aufgepäppelt, dann kam sie nach Deutschland in ihre Pflegefamilie.
Welcher Rasse Lotti angehörte, kann ich nicht hundertprozentig sagen. Aber sie sah einem Kritikós Lagonikós sehr ähnlich. Das ist ein kretischer Jagdhund, der traditionell für die Hasenjagd in felsigem Gelände eingesetzt wird. Vermutlich steckte auch ein bisschen Hütehund in ihr.
Drei Monate hat sie in einer Pflegefamilie auf uns gewartet. Im Alter von sieben Monaten ist sie dann bei uns eingezogen. Vierzehn Jahre ist sie alt geworden und hat mich von Anfang an jeden Tag begleitet.
Was ich von meiner Hündin gelernt habe
Wenn ich auf unsere gemeinsame Zeit zurückschaue, bin ich unendlich dankbar für alles, was sie uns geschenkt hat. Sie hat mir nichts beigebracht wie eine Lehrerin. Sie hat es mir einfach vorgelebt.
Pure Lebenslust – ein Flummi im Zuckerrübenfeld
Lotti ist jeden Tag mit guter Laune aufgewacht und hat die ganze Familie mit ihrer lebensbejahenden Art angesteckt. Egal, ob wir gut drauf waren oder nicht.
Ich konnte ihr kleines Futterbeutelchen hundertmal werfen und sie hat es mir hundertmal mit Begeisterung zurückgebracht. Nie ist es ihr langweilig geworden.
Am lustigsten war es, wenn wir in Königsdorf (wir wohnten damals noch in Köln) an den Zuckerrübenfeldern vorbeikamen. Lotti hatte immer Lust zu laufen. Aber dann ging es durch mit ihr. Sie sprang in die Zuckerrüben und raste über das Feld. In dem langen, grünen Blattwerk der Rüben konnte ich sie ganz schnell nicht mehr sehen. Bis sie anfing zu springen – ein weißer Flummi inmitten von Zuckerrüben. Sie sprang in die Luft, um gleich darauf wieder zwischen den Rüben zu landen. Sie hatte unfassbaren Spaß dabei.
Und selbst wenn wir vier Stunden unterwegs waren (die ersten Jahre brauchte sie sehr viel Bewegung), richtig Strecke gemacht und gespielt hatten, kamen wir noch Hause und sie schaute mich erwartungsvoll an und fragte: „Und? Was machen wir jetzt?"
Mein Learning – Jeder Tag ist ein Geschenk und oft sind es die einfachen Dinge, die Freude machen |
Von Lotti hab ich gelernt, jeden Tag als Geschenk zu sehen. Ihn so zu nehmen, wie er kommt, das Gute darin zu erkennen und das Beste daraus zu machen. Es muss nicht immer groß oder außergewöhnlich sein. Auch die ganz normalen, kleinen Dinge des Lebens können viel Freude bereiten. |

Ein offenes Herz für alles und jeden
Lotti hat jeden freundlich begrüßt, egal ob Mensch oder Tier. Jeder bekam erstmal einen großen Vertrauensvorschuss. Sie war verspielt, oft übermütig, konnte aber auch sanftmütig und verschmust sein. Selbst Menschen, die große Angst vor Hunden hatte, vergaßen diese Angst ganz schnell und saßen dann nach kurzer Zeit bei ihr, streichelten sie und spielten mit ihr.
Auch das können wir in unsere Menschenwelt übertragen.
Mein Learning – Freundlichkeit öffnet Türen |
Wenn wir offen und freundlich auf andere zugehen, öffnen sich Türen und Herzen, die sonst verschlossen blieben. Manchmal reicht schon ein kleines Löcheln und jemand lächelt zurück. Genauso hat es Lotti gemacht. |
Tiefe Verbindung statt lose Bekanntschaften
Und noch etwas hat mir Lotti gezeigt: wie wertvoll echte, tiefe Verbindungen sind. Dass es erfüllender ist, sich wirklich auf seine Freundinnen und Freunde einzulassen und für sie da zu sein, als viele lose Bekanntschaften zu pflegen, die an der Oberfläche bleiben.
Lotti hat sich mit ihrem ganzen Wesen auf uns eingelassen. Jeden Tag, ein Leben lang.
Und sie hatte ein paar wenige, ganz innige Hundefreundschaften. Diese Freundschaften haben Jahre überdauert. Auch wenn wir unsere Freunde lange nicht gesehen hatten, war die Vertrautheit zwischen Lotti und ihren Hundefreunden sofort wieder da. Sie durften auf ihrem Kissen schlafen und sogar zusammen mit ihr aus einem Napf fressen. Das durfte bei Weitem nicht jeder.
Mein Learning – Tiefe Verbindung ist erfüllend |
Tiefe Verbindungen sind erfüllender als viele lose Bekanntschaften. Sie halten auch längere Pausen aus. Und wenn man sich wiedersieht, fühlt es sich an, als wäre das letzte Treffen gestern gewesen. |
Bedingungslose Liebe – einfach immer da
Lotti war immer da, immer um mich herum. Wie ein Teil meiner selbst. An jedem einzelnen Tag. Ich habe sie früher mit zur Arbeit ins Büro genommen. Und später als Immobilienmaklerin war sie bei allen Besichtigungen und Kundenterminen dabei. Sie hat alles mitgemacht, ohne sich zu beklagen. Egal, ob wir vier Stunden mit ihr unterwegs waren oder sie den ganzen Tag neben dem Schreibtisch lag, weil ich an dem Tag wenig Zeit für sie hatte.
Sie hat ihren Lebensrhythmus dem unseren angepasst. Sie war glücklich, bei mir und mit mir zu sein.
Wenn ich nach Hause kam, wusste ich: Lotti steht an der Tür und ihr ganzer Körper wackelt vor Freude, dass ich wieder da bin. Abends sprang sie zu mir aufs Sofa und kringelte sich in meine Beine. Jeden Morgen zwischen fünf und sechs kam sie zu mir ins Bett, legte sich quer über meine Beine und schlief weiter, bis wir aufgestanden sind.
Wenn ich schlecht drauf war, konnte ich darauf zählen, dass Lotti noch kuschelier wurde und noch mehr meine Nähe suchte. Sie machte so lange lustige Sachen, bis wir wieder gelacht haben.
Meine Haare konnten gestylt oder ungekämmt sein, mein Köprer fit und schlank oder pummelig und müde. Ich konnte gerade einen großen Auftrag abgeschlossen oder den ganzen Tag im Büro nichts geschafft haben. Lotti hat mich immer gleich doll geliebt.
Mein Learning – Wir sind gut und liebenswert so wie wir sind |
Wir sind gut und liebenswert, so wie wir sind. Wir sind wertvoll, so wie wir sind. Es braucht kein stylisches Outfit, keinen trainierten Körper und kein erfolgreiches Business, um geliebt zu werden. |

Der Abschied – Lottis letztes Geschenk
Lotti ist im Mai 2025 gestorben. Als ich an dem Tag zum Tierarzt fuhr, wusste ich nicht, dass wir uns verabschieden müssten und ich allein nach Hause fahren würde. In diesem Moment gab mir nur Trost, dass ich mich mit ihr verständigen konnte. Mit Hilfe der Tierkommunikation konnte ich mit ihr sprechen und sie fragen, ob sie gehen möchte oder nicht.
Sie hat mir gesagt, dass es für sie okay ist zu gehen, dass sie bereit ist.
Es ist alles gut. Meine Zeit war gekommen, und ich bin bereit zu gehen. Ich hätte kein schöneres, erfüllteres Leben haben können. So viel Liebe. – Lotti, 2025
Zu wissen, dass sie einverstanden war, hat mir diese Entscheidung sehr viel leichter gemacht.
Sie ist immer noch da
Mein letztes Learning: Lottis Körper hat die Erde verlassen. Aber Lotti ist nicht weg. Sie ist immer um mich herum, und ich brauche nur meine Gedanken auf sie zu lenken, schon bin ich im Gespräch mit ihr.
Ich bin bei dir! Immer! Du bist nie allein! Ich bin immer da! Spürst du mich? – Lotti, 2025
Nach ihrem Tod habe ich mich bei Lotti dafür entschuldigt, dass ich nicht immer so viel Zeit für sie hatte. Sie antwortete:
Das ist für mich okay. Ich war so gerne bei dir, egal, was wir gemacht haben. Die dunkelsten Tage waren die ohne dich. Und jetzt kann ich auch immer bei dir sein. Spürst du mich? – Lotti, 2025
Als ich sie fragte, wie es ihr jetzt geht, sagte sie:
Mir geht es gut. Befreit von meinem Körper, der mitunter lästig sein kann, bin ich wieder ganz EINS. Energie pur. Licht. Liebe. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und ich bin bei dir, jeden Tag. Spürst du es? Das Einzige, was ich vermisse ohne Körper, sind unsere innigen, friedvollen Kuscheleinheiten. Die habe ich so geliebt. – Lotti, 2025
Und was hast Du von Deinem Tier gelernt?
Dieser Blogartikel ist mein Beitrag zu meiner eigenen Blogparade, die ich vor Kurzem gestartet habe. Hast Du beim Lesen an ein Tier gedacht, das Dich geprägt hat? Dann schreib doch auch darüber. Denn genau dafür gibt es meine Blogparade Was ich von meinem Tier gelernt habe.
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