Vom Forschungsobjekt zum fühlenden Wesen – Tierkommunikation und Wissenschaft

Wie hat sich unser Blick auf Tiere verändert? Ein Gastartikel von Dr. Sandra Fischer

„Tierkommunikation? Das ist doch wissenschaftlich gar nicht bewiesen.” Kennst Du diesen Satz? Ich hab ihn schon oft gehört, am Stall, im Freundeskreis, von Interessentinnen an meinem Coaching. Und ja, er stimmt. Noch. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie Wissenschaft und Tierkommunikation zueinander stehen.
Denn die Wissenschaft hat ihren Blick auf Tiere schon oft korrigiert. Dass Tiere fühlen, trauern und eine eigene Persönlichkeit haben, durfte in der Forschung lange kaum ausgesprochen werden. Heute wird genau das untersucht. Und auch mit Tierkommunikation beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher immer wieder. Das finde ich bezeichnend.
Wie es zu diesem Wandel kam, hat meine Kollegin Dr. Sandra Fischer im Juli 2026 auf der Jahrestagung des Bundesverbands Tierkommunikation e.V. erzählt. Ihr Vortrag über Verhaltensforschung und Tierkommunikation hat mich so begeistert, dass ich sie um einen Gastartikel gebeten habe. Hier ist er.
Sandra ist promovierte Biologin und Tierkommunikatorin. Außerdem hat sie Ausbildungen in Healing Touch for Animals nach Carol Komitor sowie zum systemischen und psychologischen Coach abgeschlossen. Für mich ist sie das lebende Beispiel dafür, dass Wissenschaft und Tierkommunikation sich ergänzen.
Wir Tierkommunikatorinnen sind Pionierinnen. Und ich bin überzeugt, dass sich die Wissenschaft auch hier noch korrigieren wird.
Viel Freude beim Lesen, Katja
Tierkommunikation und Wissenschaft – kurz erklärt |
Tierkommunikation Wissenschaft | Emotionen bei Tieren | Trauer bei Tieren | Verhaltensforschung |
Lange galten Tiere in der Forschung als reine Untersuchungsobjekte. Heute werden ihre Gefühle, ihre Trauer und ihre Persönlichkeit erforscht. Tierkommunikation ist wissenschaftlich noch nicht bewiesen, wird aber inzwischen systematisch untersucht, zum Beispiel im Forschungsprojekt ANICOM an der Universität Liège. Die Biologin und Tierkommunikatorin Dr. Sandra Fischer zeigt, wie es zu diesem Wandel kam. Mehr über Sandra und ihre Arbeit mit Tierkommunikation, Energiearbeit und Coaching findest Du auf www.tiermenschbeziehung.de. |
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Inhaltsverzeichnis
Ab hier hat Sandra das Wort.
Einleitung
Wie wir Tiere betrachten, hat sich in den vergangenen hundert Jahren grundlegend verändert. Dass Tiere individuelle Persönlichkeiten besitzen, Gefühle erleben und komplexe Beziehungen eingehen, erscheint heute vielen Menschen selbstverständlich. Lange Zeit war das jedoch keineswegs so.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Tiere in der Wissenschaft vor allem als Forschungsobjekte betrachtet. Ihr Verhalten ließ sich beobachten und messen; ihre subjektive Erlebniswelt galt dagegen als schwer zugänglich. Damit stellte sich eine grundlegende Frage:
Was können wir über das Innenleben eines Tieres wissen – und was dürfen wir wissenschaftlich darüber aussagen?
Diese Entwicklung ist auch für die Tierkommunikation interessant. Denn bevor überhaupt diskutiert werden konnte, ob wir auf andere Weise Informationen von Tieren erhalten können, musste sich zunächst die Vorstellung verändern, ob Tiere eine eigene innere Erlebniswelt besitzen.
Die Anfänge der Verhaltensforschung
Einer der bekanntesten Vertreter der frühen Verhaltensforschung war der russische Physiologe Iwan Pawlow. Er untersuchte die Verdauung bei Hunden und beobachtete, dass die Tiere schließlich bereits auf einen Glockenton mit Speichelfluss reagierten, wenn dieser zuvor wiederholt mit der Fütterung verbunden worden war. Dieses Phänomen wurde als klassische Konditionierung bekannt.
Pawlows Arbeiten waren ein wichtiger Meilenstein für die Erforschung von Lernprozessen. Zugleich spiegeln sie ein Wissenschaftsverständnis wider, in dem Tiere vor allem als Untersuchungsobjekte dienten.
Einige Jahrzehnte später entwickelte sich mit der Ethologie eine Verhaltensforschung, die Tiere zunehmend in ihrer natürlichen Umgebung beobachtete. Konrad Lorenz, Niko Tinbergen und Karl von Frisch gehörten zu ihren wichtigsten Wegbereitern. Ihre Arbeiten zeigten, wie komplex tierisches Verhalten ist und wie stark es durch biologische Anlagen, Lernen und Umwelt geprägt wird.
Langsam veränderte sich damit auch das wissenschaftliche Bild vom Tier.
Was dürfen wir einem Tier zuschreiben?
Ein wesentliches Prinzip der frühen Verhaltensforschung war die möglichst objektive Beschreibung beobachtbaren Verhaltens.
Stellte sich beispielsweise ein Muttertier zwischen einen Angreifer und sein Jungtier, sollte zunächst beschrieben werden, was tatsächlich geschah. Zu schreiben, das Tier handle aus Liebe oder wolle sein Junges beschützen, galt als problematisch. Schließlich ließ sich ein solcher innerer Zustand nicht unmittelbar beobachten.
Dahinter stand die Sorge vor dem Anthropomorphismus – der unzulässigen Übertragung menschlicher Eigenschaften, Gedanken und Gefühle auf Tiere.
Diese Vorsicht ist wissenschaftlich durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig trug sie dazu bei, dass tierische Emotionen und subjektive Erfahrungen lange nur zurückhaltend erforscht wurden.
Die Frage lautete nicht nur: Können wir beweisen, dass ein Tier traurig ist? Viel grundlegender war die Frage:
Dürfen wir überhaupt davon ausgehen, dass ein Tier traurig sein kann?
Wie stark diese Zurückhaltung war, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 1992: In der Fachzeitschrift Science wurde davor gewarnt, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit tierischen Empfindungen der eigenen Karriere schaden könne.
Das verdeutlicht, wie sehr wissenschaftliche Vorstellungen beeinflussen, welche Fragen überhaupt gestellt werden.
Jane Goodall und das individuelle Tier
In diese Kritik gerieten auch Forscherinnen wie Jane Goodall und Dian Fossey, deren Verhaltensbeobachtungen bei Menschenaffen wesentliche Erkenntnisse lieferten.
Goodall beobachtete Schimpansen über viele Jahre in ihrem natürlichen Lebensraum. Sie gab ihnen Namen und beschrieb individuelle Persönlichkeiten, soziale Beziehungen und unterschiedliche Verhaltensweisen. Die Tiere waren für sie keine austauschbaren Untersuchungsobjekte, sondern Individuen. Auch Fossey dokumentierte bei Berggorillas individuelle Unterschiede und komplexe soziale Beziehungen.
Was damals teilweise als unkonventionell galt, gehört heute weitgehend zum wissenschaftlichen Verständnis von Tieren. Dass Menschenaffen individuelle Persönlichkeiten und differenzierte soziale Beziehungen besitzen, wird inzwischen durch zahlreiche Untersuchungen gestützt.
Heute sind individuelle Unterschiede, komplexe soziale Beziehungen und emotionale Reaktionen bei vielen Tierarten Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.
Es hat sich also nicht nur unser Wissen verändert. Auch die Frage, was in diesem Kontext als wissenschaftlich legitime Fragestellung gilt, wird heute anders beantwortet.
Tiere haben Emotionen – aber was erleben sie?
Heute werden tierische Emotionen deutlich differenzierter untersucht als noch vor wenigen Jahrzehnten. Angst, Stress und positive emotionale Zustände sind ebenso Gegenstand der Forschung wie Bindung, Trauer oder soziale Fürsorge.
Auch die Evolutionsbiologie liefert wichtige Anhaltspunkte: Der Mensch ist Teil der Tierwelt, und gerade bei Säugetieren finden sich vergleichbare biologische Strukturen und Mechanismen, die unter anderem an Stress, Angst, Bindung und Belohnungsverarbeitung beteiligt sind.
Das beweist nicht, dass ein Hund oder ein Elefant eine Emotion genauso erlebt wie ein Mensch. Es macht jedoch plausibel, dass emotionale Erfahrungen keineswegs ausschließlich dem Menschen vorbehalten sind.
Die entscheidende Frage lautet deshalb zunehmend:
Wie erleben Tiere Emotionen, und worin ähneln ihre Erfahrungen den unseren und worin unterscheiden sie sich?
Wenn Tiere trauern
Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei der Erforschung von Trauer. Die Anthropologin Barbara J. King beschreibt in ihrem Buch How Animals Grieve, wie Tiere nach dem Verlust eines Artgenossen ihr Verhalten verändern können, und liefert damit eine passende Definition von Trauer. Dazu gehören Rückzug, veränderte Nahrungsaufnahme oder ein verändertes Sozialverhalten.
Auch bei Elefanten wurden eindrucksvolle Verhaltensweisen beobachtet. Die von Cynthia Moss dokumentierten Beobachtungen zeigen unter anderem, wie Elefanten zu verstorbenen Artgenossen zurückkehren, deren Körper berühren und längere Zeit bei ihnen verweilen. Vergleichbare Beobachtungen gibt es bei Menschenaffen und anderen sozial lebenden Tieren wie Walen und Delfinen.
Solche Verhaltensweisen beweisen nicht, dass Tiere Trauer exakt so empfinden wie wir. Sie zeigen jedoch, dass der Verlust eines sozialen Partners komplexe und anhaltende Reaktionen auslösen kann.
Damit stellt sich eine weiterführende Frage:
Was erlebt das einzelne Tier dabei tatsächlich?
Die Grenzen der Beobachtung
Die moderne Verhaltensforschung kann Verhalten beobachten, physiologische Veränderungen messen und daraus Rückschlüsse auf innere Prozesse ziehen. Doch selbst eine detaillierte Untersuchung kann nicht ohne Weiteres beantworten, wie sich ein Verlust für ein einzelnes Tier anfühlt.
Genau hier liegt für mich eine der spannendsten Fragen. Penelope Smith wagte sich mit dem Aufbringen der Tierkommunikation bereits in den 70er Jahren in die Öffentlichkeit, um anderen Menschen die Tierperspektive näherzubringen.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung hat mich dazu motiviert, mich mit Tierkommunikation genauer auseinanderzusetzen. Im Rahmen des Projekts der „Pizza-Hunde“ von Günther Bloch beobachtete ich eine Hündin, die Beschwerden im Bereich der Hinterhand und des unteren Rückens zeigte.
In einer Tierkommunikation entstand dazu ein Bild, das mich sehr bewegte: Die Hündin zeigte einen toten Welpen vor einer Höhle, den sie herumgetragen hatte und bei dem sie lange geblieben war. Dabei vermittelte sie einen starken Eindruck von Verlust, Fassungslosigkeit und Trauer.
Für mich stellte sich die Frage, ob dieses Erlebnis möglicherweise mit ihrem körperlichen Zustand zusammenhing.
Wissenschaftlich lässt sich ein solcher Zusammenhang im Einzelfall nicht belegen. Dennoch berührt dieses Erlebnis eine Frage, die mich als Tierkommunikatorin immer wieder beschäftigt: Gibt es Informationen über ein Tier, die sich nicht ohne Weiteres aus seinem äußerlich beobachtbaren Verhalten erschließen?
Das bedeutet nicht, dass jede intuitive Wahrnehmung automatisch eine wissenschaftliche Tatsache ist. Es bedeutet aber auch nicht, dass solche Erfahrungen grundsätzlich keine Relevanz haben.
Vielleicht liegt gerade hier eine Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Formen des Wissens.
Zwischen Wissenschaft und Tierkommunikation
Während die Verhaltensforschung das Verhalten von außen untersucht und daraus Rückschlüsse auf innere Prozesse zieht, versucht Tierkommunikation, Informationen aus der Perspektive des Tieres zu erhalten.
Ich selbst bin überzeugt davon, dass Tierkommunikation möglich ist. Diese Überzeugung beruht auf meinen eigenen Erfahrungen mit Tieren und den Informationen, die ich in der Kommunikation erhalte.
Gleichzeitig halte ich es für wichtig, zwischen persönlicher Erfahrung und wissenschaftlicher Aussage zu unterscheiden. Wenn ich eine Information erhalte, die später von einem Tierhalter bestätigt wird, ist das für mich eine wertvolle Erfahrung. Wissenschaftlich ist damit jedoch noch nicht geklärt, woher diese Information stammt und durch welchen Mechanismus sie zustande kommt.
Gerade deshalb finde ich die aktuelle Forschung so interessant: Sie beschäftigt sich zunehmend mit Fragen, die lange außerhalb des wissenschaftlich anerkannten Rahmens lagen.
Tierperspektive als Forschungsgegenstand
Ein Beispiel dafür ist die Forschung von Viktoria Hinz an der University of Saskatchewan in Kanada. In ihrer 2026 abgeschlossenen und veröffentlichten Doktorarbeit untersuchte sie mit einem phänomenologischen Ansatz, was professionelle Tierkommunikatorinnen und Tierkommunikatoren bei der intuitiven Kommunikation über räumliche Distanz erleben und wie sie dabei vorgehen.
Ihre Doktormutter M. J. Barrett forscht ebenfalls zur intuitiven Kommunikation zwischen Menschen und anderen Lebewesen. Gemeinsam veröffentlichten sie 2026 den Fachartikel Potentials for Animal Participation. Darin beschäftigen sie sich mit der Frage, inwiefern diese Kommunikationsform neue Möglichkeiten eröffnen könnte, die Perspektiven von Tieren in Forschungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Auch Sydney Kuppenbender widmete sich diesem Themenfeld. In ihrer Masterarbeit Bringing Animal Voices to the Table untersuchte sie anhand von Fallstudien, wie intuitive Tierkommunikation bei Naturschutzfragen und im Zusammenleben von Menschen und Wildtieren eingesetzt werden kann.
Diese Arbeiten setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Frage, wie die Perspektiven nichtmenschlicher Lebewesen besser verstanden und berücksichtigt werden können.
Dabei geht es nicht darum, Tierkommunikation bereits als wissenschaftlich bewiesen vorauszusetzen. Vielmehr werden Erfahrungen, Vorgehensweisen und mögliche Anwendungsfelder untersucht, ohne die Erklärung für die beschriebenen Phänomene vorwegzunehmen.
Auch eine Untersuchung von Dušan Janák (2025) beschäftigt sich mit Tierkommunikation. Dafür wurden Aussagen verschiedener Gruppen über Tiere verglichen, darunter erfahrene Tierkommunikatorinnen und Tierkommunikatoren, weniger erfahrene Personen, Laien und tiermedizinische Fachpersonen. Grundlage waren Informationen zu Tieren, die anhand von Fotografien gewonnen wurden.
Die Ergebnisse zeigten unter anderem, dass erfahrene Tierkommunikatorinnen und Tierkommunikatoren häufiger Angaben machten, die von den Halterinnen und Haltern als zutreffend und spezifisch bewertet wurden und sich ihrer Einschätzung nach nicht allein aus den Fotos ableiten ließen.
Diese Ergebnisse beweisen nicht hinreichend, dass die Informationen tatsächlich durch eine Kommunikation mit den Tieren entstanden sind. Sie zeigen jedoch, dass sich solche Erfahrungen systematisch untersuchen lassen.
Für mich liegt genau darin das Interessante:
Nicht darin, dass die Wissenschaft bereits eine abschließende Erklärung liefert, sondern darin, dass sie beginnt, diese Fragen systematisch zu untersuchen.
ANICOM: Können Tiere Teil wissenschaftlicher Forschung werden?
Einen weiteren Ansatz verfolgt das internationale Forschungsprojekt ANICOM – Animal Communicators: Intuitive communication as a key to dialogic multispecies methods. Das von 2024 bis 2029 laufende Projekt wird von der Universität Liège koordiniert und von der Anthropologin Prof. Vanessa Wijngaarden geleitet.
Es untersucht intuitive Kommunikation zwischen Menschen und anderen Lebewesen und fragt, ob sie neue Wege eröffnen könnte, unterschiedliche Perspektiven in Forschungsprozesse einzubeziehen.
Dabei geht es nicht allein um die Frage: Funktioniert Tierkommunikation? Eine grundlegendere Frage lautet:
Wie können wir die Perspektiven nichtmenschlicher Lebewesen stärker in Forschung und Entscheidungsprozesse einbeziehen?
Traditionell werden Tiere in der Forschung vor allem durch menschliche Beobachtung untersucht. ANICOM beschäftigt sich dagegen mit der Möglichkeit, ihre Perspektiven stärker zu berücksichtigen. Dazu werden unterschiedliche Wissensansätze miteinander in Beziehung gesetzt – darunter wissenschaftliche Disziplinen, die Erfahrungen professioneller Tierkommunikatorinnen und Tierkommunikatoren sowie indigene Wissenssysteme.
Damit ist noch keine abschließende Erklärung der Tierkommunikation verbunden. Das Projekt eröffnet vielmehr einen Forschungsraum, in dem unterschiedliche Möglichkeiten untersucht werden können.
Diese Offenheit halte ich für wichtig. Wissenschaft muss nicht bereits vor Beginn einer Untersuchung wissen, welches Ergebnis sie finden wird. Sie sollte Fragestellungen so formulieren, dass unterschiedliche Erklärungen geprüft werden können.
Vom Forschungsobjekt zum Forschungspartner?
Wenn wir diese Entwicklung über einen längeren Zeitraum betrachten, wird ein bemerkenswerter Wandel sichtbar.
Zu Beginn der modernen Verhaltensforschung standen Tiere vor allem als Objekte der Beobachtung im Mittelpunkt. Später rückten ihre Lernfähigkeit, ihre sozialen Beziehungen und ihre individuellen Unterschiede stärker in den Fokus. Heute erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Emotionen, Kognition, Bindung und Persönlichkeit bei zahlreichen Tierarten.
Nun stellt sich zunehmend eine weitere Frage:
Wie können wir die Perspektive eines Tieres selbst besser erfassen?
Genau an dieser Stelle wird Tierkommunikation für mich interessant. Nicht, weil sie die Wissenschaft ersetzen sollte oder jede intuitive Erfahrung als Beweis gelten kann. Sondern weil sie aus meiner Sicht eine Perspektive eröffnet, die möglicherweise Aspekte sichtbar macht, die bei der reinen Beobachtung von außen verborgen bleiben.
Vielleicht liegt die eigentliche Entwicklung deshalb nicht darin, dass die Wissenschaft irgendwann eine bestimmte Methode pauschal als richtig oder falsch anerkennt. Vielleicht liegt sie zunächst darin, welche Fragen wir überhaupt bereit sind zu stellen.
Heute gehören tierische Emotionen, Kognition, Persönlichkeit und soziale Beziehungen zu etablierten Forschungsfeldern. Mit Projekten wie ANICOM wird zudem untersucht, wie die Perspektiven nichtmenschlicher Lebewesen stärker in wissenschaftliche Prozesse einbezogen werden können.
Das bedeutet nicht, dass damit alle Fragen rund um Tierkommunikation beantwortet wären. Es bedeutet aber, dass sich der Rahmen dessen verändert, was wissenschaftlich untersucht werden kann.
Für mich ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Denn Fortschritt besteht nicht immer darin, eine alte Frage endgültig zu beantworten. Manchmal besteht er darin, eine Frage überhaupt wieder stellen zu dürfen.
Vielleicht lautet die nächste große Frage in unserem Verhältnis zu Tieren deshalb nicht mehr nur:
Was können wir über Tiere herausfinden?
Sondern:
Wie können wir lernen, Tiere besser zu verstehen – auch aus ihrer eigenen Perspektive?
Ausgewählte Quellen und weiterführende Literatur
Hinz, V. (2026): Remote Intuitive Interspecies Communication as Experienced and Engaged in by Professional Animal Communicators: A Phenomenological Study. Dissertation, University of Saskatchewan.
Hinz, V. & Barrett, M. J. (2026): Potentials for Animal Participation: Remote Intuitive Interspecies Communication. Journal of Organizational Ethnography.
Kuppenbender, S. (2024): Bringing Animal Voices to the Table: Exploring Intuitive Interspecies Communication as a Method for Conservation and Human-Animal Coexistence. Masterarbeit, University of Saskatchewan.
King, B. J. (2013): How Animals Grieve. University of Chicago Press.
Janák, D. (2025): Intuitive Interspecies Communicators Relatively Frequently Give Socially Valid, Nondeducible, and Specific, Even if Unsystematic, Information. Society & Animals.
Ende des Artikels von Sandra
Wie erlebt Dein Tier die Welt und was hat es zu erzählen?
Sandra schließt mit der Frage, wie wir lernen können, die eigene Perspektive der Tiere besser zu verstehen. Genau darum geht es in meiner Arbeit. Wenn Du hören möchtest, was Dein Pferd oder Dein Hund Dir zu sagen hat und wie sie die Welt sehen, dann melde Dich gern bei mir. In einem kurzen Kennenlerngespräch schauen wir, was Euch gerade beschäftigt und wie ich Euch unterstützen kann – fünfzehn Minuten meiner Zeit, die ich Dir gern schenke. Hier kannst Du Dir das Kennenlerngespräch buchen.
FAQ – häufige Fragen zu Tierkommunikation und Wissenschaft
Ist Tierkommunikation wissenschaftlich bewiesen?
Nein, bisher nicht. Es gibt aber Forschung, die Tierkommunikation systematisch untersucht, zum Beispiel an der University of Saskatchewan in Kanada und im Forschungsprojekt ANICOM an der Universität Liège. Diese Arbeiten setzen Tierkommunikation nicht als bewiesen voraus. Sie untersuchen, was Tierkommunikatorinnen und Tierkommunikatoren erleben, wie sie vorgehen und wo diese Form der Kommunikation eingesetzt werden kann.
Was Tierkommunikation genau ist und wie sie abläuft, erkläre ich Dir auf meiner Seite Was ist Tierkommunikation.
Haben Tiere Gefühle?
Die Forschung untersucht heute Angst, Stress, Bindung, Trauer und positive Gefühle bei vielen Tierarten. Gerade bei Säugetieren finden sich vergleichbare biologische Strukturen wie beim Menschen. Das beweist nicht, dass ein Tier ein Gefühl genauso erlebt wie wir. Es macht aber plausibel, dass Gefühle nicht allein dem Menschen vorbehalten sind. Was Tiere selbst über ihre Gefühle und das Fühlen erzählen, liest Du in meinem Artikel Über das Fühlen.
Können Tiere trauern?
Viele Tiere verändern ihr Verhalten, wenn sie einen Artgenossen verlieren. Sie ziehen sich zurück, fressen anders oder verhalten sich in der Gruppe anders. Bei Elefanten wurde beobachtet, dass sie zu verstorbenen Artgenossen zurückkehren, deren Körper berühren und lange bei ihnen bleiben. Ähnliches kennt man von Menschenaffen, Walen und Delfinen.
Wie Tiere selbst über das Sterben und das Leben danach sprechen, liest Du in meinen Artikeln Über Sterben und Abschied und Über das Leben nach dem Tod.
Was bedeutet Anthropomorphismus?
Anthropomorphismus bedeutet, menschliche Eigenschaften, Gedanken und Gefühle auf Tiere zu übertragen. Die frühe Verhaltensforschung wollte das unbedingt vermeiden. Deshalb wurden Gefühle bei Tieren lange nur sehr zurückhaltend erforscht.
Wie passen Wissenschaft und Tierkommunikation zusammen?
Die Verhaltensforschung beobachtet Tiere von außen und zieht daraus Rückschlüsse auf ihr Innenleben. Tierkommunikation versucht, Informationen aus der Perspektive des Tieres zu bekommen. Beides kann sich ergänzen. Wichtig ist, persönliche Erfahrung und wissenschaftliche Aussage auseinanderzuhalten.
Welche Vorurteile es rund um Tierkommunikation gibt, liest Du in meinem Artikel Wir zaubern nicht, wir sprechen – 10 Mythen über Tierkommunikation.







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