Knotenhalfter, Sporen, Sperrriemen: 5 Dinge, die Du bei mir im Stallschrank nicht findest
- Katja Hammerschmidt

- vor 11 Stunden
- 13 Min. Lesezeit
Ein Plädoyer für pferdefreundliche Ausrüstung

Pferdefreundliche Ausrüstung ist ein Thema, das polarisiert. Das merke ich jedes Mal, wenn ich auf Social Media über Knotenhalfter, Sporen oder Sperrriemen schreibe: Die Reaktionen kommen prompt, und sie sind leidenschaftlich.
Ich habe lange mitdiskutiert. Heute diskutiere ich weniger und beobachte mehr. Was macht diese Ausrüstung – ganz konkret, am Körper meines Pferdes? Und was sagt mir Maël darüber, wenn ich aufmerksam zuhöre?
Vieles, was ich jahrelang selbstverständlich genutzt habe, hab ich schon lange aus meinem Stallschrank verbannt. Nicht aus einem Impuls heraus, sondern nach sorgfältiger Auseinandersetzung mit dem, was Forschung, Pferdekörper und gesunder Menschenverstand mir dazu sagen.
Was Du bei mir seit Jahren nicht mehr findest und was mich zu diesen Entscheidungen bewogen hat, erzähle ich Dir hier.
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Warum ich Knotenhalfter, Sporen, Sperrriemen heute anders sehe als früher |
Und was das mit Liebe, Vertrauen und echter Partnerschaft zu tun hat |
In meinem Stallschrank findest Du heute kein Knotenhalfter, keine Hilfszügel, keine Sporen, keine Fleece-Bandagen und keinen Sperrriemen mehr. Der Grund ist nicht, dass ich alles verteufle, was andere Pferdemenschen benutzen. Der Grund ist, dass ich bei jeder Ausrüstung wissen möchte, wie sie auf den Körper, die Psyche und das Vertrauen meines Pferdes wirkt. Für mich gehört zu einer partnerschaftlichen Beziehung, dass mein Pferd sich bewegen, atmen, kauen, fühlen und Nein sagen darf. Wenn Ausrüstung nur funktioniert, weil sie Druck erhöht, Schmerz auslöst oder mein Pferd darin hindert, sich auszudrücken, ist sie für mich keine Hilfe, sondern ein Warnsignal. Deshalb hier mein Plädoyer für eine pferdefreundliche Ausrüstung unserer Pferde. |
Inhaltsverzeichnis
Knotenhalfter
Kaum etwas polarisiert in der Pferdewelt so sehr wie das Knotenhalfter, auch liebevoll "Knoti" genannt. Mache ich dazu einen Social Media Beitrag, kannst Du sicher sein, dass er maximale Reichweite bekommt, weil sich Befürworter und Gegner des Knotenhalfters an die Gurgel springen.
Ich habe für mich entschieden: das Knotenhalfter kommt mir nicht mehr ans Pferd.
Was ist ein Knotenhalfter? |
Das Knotenhalfter ist ein spezielles Trainingshalfter, das vor allem bei der Bodenarbeit verwendet wird. Es hat seinen Ursprung in der amerikanischen Cowboy-Kultur. Ein dünnes Seil wird so geknotet, dass es wie ein Halfter sitzt. Dabei werden mehrere Knoten gemacht, die an verschiedenen Stellen am Pferdekopf sitzen. Das Knotenhalfter hat keine Sollbruchstelle. Es ist aus einem reißfesten Strick geknotet. |
Die Liste der Dos and Don'ts eines Knotenhalfters ist lang
Dass die Knoten des Knotenhalfters an empfindlichen Schmerzpunkten am Pferdekopf sitzen, ist wohl unbestritten. Letztendlich resultieren daraus die folgenden Dos and Don'ts im Umgang mit dieser Zäumung.
Wird das Knotenhalfter nicht korrekt angelegt, kann es auf den empfindlichen Gesichtsnerv des Pferdes drücken, der genau unter dem Jochbein verläuft. Eventuell drückt es auch unangenehm auf das Genick oder den Nasenrücken des Pferdes, wenn es zu eng anliegt.
Ein Pferd darf auf keinen Fall mit einem Knotenhalfter angebunden werden. Das Halfter kann nicht reißen und hat keine Sollbruchstelle. Erschrickt sich Dein Pferd, wenn es mit dem Knotenhalfter angebunden ist, wird sich das Halfter also nicht lösen. Vermutlich gerät Dein Pferd dann noch mehr in Panik und kann sich schwer verletzen – schlimmstenfalls an seinem Nackenband.
Ein Pferd mit Knotenhalfter darf nur mit durchhängendem Strick geführt werden. Denn jedes Ziehen am Strick, jede falsche oder unsensible Einwirkung kann aufgrund des dünnen Seils und der Knoten an den empfindlichen Stellen des Pferdekopfes sehr schmerzhaft für Dein Pferd sein.
Das Knotenhalfter muss an der Schlaufe unbedingt richtig geknotet sein. Das Seilende muss am Knoten immer nach hinten zeigen, damit es bei einer heftigen Kopfbewegung nicht ins Pferdeauge schlägt. Und es sollte auch so geschlossen werden, dass der Knoten immer einfach und schnell gelöst werden kann – weil es ja nicht reißen kann.
Argumente für das Knotenhalfter
Die Befürworter des Knotenhalfters sprechen davon, dass man damit eine sehr feine Einwirkung auf das Pferd hat. Das Knotenhalfter transportiert die Signale ungefiltert. Es bricht nicht und reißt nie. Pferde reagieren direkt auf jede Anfrage, die über das Knotenhalfter gesendet wird. Und das Totschlagargument aller Knoti-Liebhaber: "Jeder Ausrüstungsgegenstand kann dem Pferd schaden, wenn man ihn falsch einsetzt. Mir ist bewusst, dass das Knotenhalfter eine scharfe Zäumung ist. Aber ich weiß, wie ich das Knotenhalfter zu benutzen habe. Ich gehe sanft und verantwortungsbewusst damit um."
Meine Meinung zum Knotenhalfter
Dieses letzte Argument ist für mich gleichzeitig das stärkste Gegenargument. Natürlich wissen wir, wie wir mit dem Knotenhalfter umzugehen haben. Aber – weiß Dein Pferd das auch,
wenn es mit dem Kopf nach der Fliege auf dem Popo schnappt und der Strick sich anspannt,
wenn es beim Spazierengehen spontan eine Fresspause im Gras einlegen will, mit der Du nicht gerechnet hast,
wenn es sich erschrickt und in Panik losrennt oder steigt?
Das sind alles Situationen, die keiner von uns mit Sicherheit vorhersehen oder ausschließen kann und in jeder dieser Situationen verursacht das Knotenhalfter massive Schmerzen am empfindlichen Pferdekopf. Ja, es kann sogar zu Verletzungen führen, wenn sich Dein Pferd mit Knotenhalfter losreißt und dann zum Beispiel in der Folge auf den Führstrick tritt.
Das muss ich doch nicht riskieren.
Und ja, die Pferde reagieren sehr fein auf die Impulse des Knotenhalfters. Aber hast Du Dich mal gefragt, warum das so ist? Ich würde auch sehr fein auf Impulse reagieren, wenn mir diese Impulse Schmerzen bereiten.
Hilfszügel
Es gibt viele verschiedene Arten von Hilfszügeln. Die Wirkungsweise und Intensität der Hilfszügel ist sehr unterschiedlich. Allen gemeinsam ist, dass sie die Pferde beim Reiten oder Longieren in eine bestimmte Haltung bringen sollen und/oder dem Menschen angeblich mehr Kontrolle über das Pferd geben.
Bei mir im Stallschrank findest Du keine Hilfszügel mehr.
Was sind Hilfszügel? |
Es gibt unterschiedliche Hilfszügel für Pferde. Einige will ich hier kurz nennen. Die Aufzählung ist jedoch nicht vollständig. Der Schlaufzügel ist ein Riemen von rund 2,75 Metern Länge, der normalerweise entweder unten oder beidseits am Sattelgurt befestigt wird und von dort aus zwischen den Beinen des Pferdes hindurch von innen nach außen durch die Trensenringe direkt in die Hand des Reiters läuft. Ausbinder Ausbinder bestehen immer aus zwei einzelnen Riemen, die links und rechts zwischen Gebissring und Sattelgurt befestigt werden. Dreieckszügel Der Dreieckszügel besteht aus einem dicken Riemen, der zwischen den Vorderbeinen durchläuft und mittig am Sattelgurt befestigt wird. Vor der Brust teilt sich der dicke Riemen in zwei einzelne, etwas dünnere Riemen. Diese werden jeweils links und rechts von innen nach außen durch den jeweiligen Gebissring geführt und am Sattelgurt (oder Longiergurt) befestigt. |
Zur Wirkweise des Schlaufzügels hab ich Dir hier mal einen sehr ausführlichen Artikel aus der Pferderevue verlinkt. In dem Artikel von Lepona bekommst Du einen guten, kurzen Überblick über die verschiedenen Arten von Hilfszügeln und die jeweiligen Vor- und Nachteile. Mir war gar nicht bewusst, wie viele Arten von Hilfszügeln es gibt.
Warum ich keine Hilfszügel verwende
In meinen Augen kann eine erzwungene Haltung des Pferdes nicht gesund für den Pferdekörper sein. Muskeln verspannen sich eher, als dass sie sich aufbauen, wenn das Pferd die ganze Zeit in einer bestimmten Körperhaltung festgezurrt wird. Gesunde Bewegungsabläufe kann man nicht erzwingen.
Und über die Zügel Kontrolle über das Pferd zu erlangen, halte ich für völlig fehlgeleitet. Wenn ein 600-Kilo-Kraftpaket seinen Willen durchbringen will, hilft Dir auch kein Zügel. Verständnis, Freundschaft oder Vertrauen kann man nicht über Kontrolle erreichen.
Sporen
Ich hatte als Kind ein Buch, das hieß So verdient man sich die Sporen. Wir durften Sporen erst anziehen, wenn unser Sitz ruhig und ausbalanciert genug war und wir die Beine ruhig am Pferd halten konnten. Denn die falsche Anwendung von Sporen kann zu erheblichen Verletzungen des Pferdes führen oder auch unerwartete bzw. ungewollte Reaktionen beim Pferd auslösen. Also ja, ich bin früher auch mit Sporen geritten.
Was sind Sporen? |
Sporen sind Metall- oder Kunststoffbügel, die der Reiter um die Ferse des Reitstiefels steckt. Unter dem Stiefel führt ein Riemen aus Leder oder Synthetik entlang, der den Sporen am Stiefel befestigt. Auf Höhe des Knöchels werden die Sporen mit einer Lederschnalle fixiert. Die Spitze der Sporen weist zum Pferdekörper hin und hat unterschiedliche Endstücke: zum Beispiel eine Kugel, einen Dorn oder ein Rädchen. Der Reiter kann nun mit der Fersenspitze eine Verstärkung der Schenkelhilfen beim Pferd auslösen. |
Die Befürworter von Sporen argumentieren
Sporen ermöglichen mehr Präzision durch punktgenaue und feinere Signale als das Reiterbein allein.
Die Reiterin muss den Schenkel weniger stark einsetzen. Sie spart dadurch Kraft und der Pferdekörper wird geschont.
Sporen unterstützen durch die bessere Hilfegebung die Lektionen der schweren Dressur, wie zum Beispiel Taktgebung oder Versammlung
Meine heutige Meinung zu Sporen
Sporen sind Hilfsmittel, die dem Pferd Schmerzen zufügen. Das allein ist Grund genug für mich, die Sporen in die Tonne zu schmeißen – egal wie einfühlsam die Reiterin mit den Sporen umgeht. (Hier gibt's mehr Gedanken zum Thema Ethik und Pferdewohl.)
Bandagen und Gamaschen
Besonders die Fleece-Bandagen sehen schick aus. Vor allem, wenn sie farblich auf Schabracke und Reiterin abgestimmt sind. Ich hab aus früheren Zeiten auch noch den Keller voll davon. Besonders pink und rot stand Maël sehr gut.
Viele Reiterinnen verwenden Gamaschen und Bandagen während des Trainings oder Transports, um die Beine ihres Pferdes vor Verletzungen, Tritten oder anderen physischen Traumata zu schützen.
Nutzen von Bandagen und Gamaschen beim Pferd
Bandagen und Gamaschen dienen als Beinschutz.
Neigen Pferde dazu, sich selbst zu streifen, können Bandagen oder Gamaschen schützen.
Bei Verletzungen helfen Bandagen, den Verband zu fixieren.
Beim Transport schützen Gamaschen oder Bandagen mit dicker Bandagierunterlage vor Verletzungen im Anhänger oder beim Ein- und Aussteigen.
Risiken von Bandagen und Gamaschen bei Pferden
Werden Bandagen zu fest angelegt, können sie den Abfluss der Lymphflüssigkeit und den Blutfluss beeinträchtigen.
Saugen sich die Bandagen mit Feuchtigkeit voll, fühlen sie sich für das Pferd unangenehm an.
Falten in der Bandagierunterlage können zu Druckstellen am Bein führen.
Befindet sich Dreck zwischen Bein und Bandage bzw. Gamasche können Hautirritationen und aufgescheuerte Stellen auftreten.
Gamaschen und Bandagen können die Beintemperatur beim Pferd erhöhen und Überhitzung verursachen. Das kann für die Sehnen und Bänder der Pferdebeine schädlich sein. Lucas Brock und Holly Spooner haben das 2021 in ihrer Studie A comparison among equine boots and legwraps on leg surface temperature during and after exercise nachweisen können.
Bandagen und Gamaschen für Maël?
Mich hat vor allem die Tatsache, dass die Pferdebeine überhitzen können, davon überzeugt, keine Fleece-Bandagen mehr zu verwenden. Gamaschen benutze ich nur noch beim Transport im Pferdeanhänger. Aber auch nur die "normalen". Sobald ich Maël Transportgamaschen anziehe, sieht er sich außer Stande noch einen Schritt zu gehen.
Nasenriemen und Sperrriemen
Maël reite ich mal mit Trense und Gebiss, mal gebisslos – beides ist für ihn ok, da ich wenig mit Zügeleinwirkung und viel mit inneren Bildern reite.
Was ich seit langem von meiner Trense abmontiert habe, sind Nasenriemen und Sperrriemen.
Was ist ein Sperrriemen? |
Der Sperrriemen ist Bestandteil des kombinierten Reithalfters. Er ist in einer kleinen Schlaufe, die mittig am Nasenriemen sitzt, befestigt. Der Sperrriemen verläuft schräg Richtung Nase und wird unterhalb des Mundstücks um den Kiefer herum verschnallt. |
Wird der Sperrriemen so verschnallt, dass er Wirkung zeigt, dann wirkt er sich außerordentlich nachteilig auf die physische und die psychische Gesundheit des Pferdes aus.
Wenn ich den Sperrriemen im Gegensatz dazu so locker verschnalle, dass er Maël nicht beeinträchtigt, ist er wirkungslos und deshalb in meinen Augen überflüssig. Eventuell ist er sogar irritierend für das Pferd. Nämlich dann, wenn er locker verschnallt beim Reiten im Bereich der Tasthaare herumrutscht.
Dass das nicht nur meine persönliche Meinung ist, zeigt ein Artikel in der Natural Horse (vom Crystal Verlag) aus dem Jahr 2023. Ein paar der dort genannten Fakten will ich Dir hier gern zusammenfassen, denn der Artikel ist leider nicht kostenlos zugängig.
Was ist ein Nasenriemen? |
Der Nasenriemen ist ein Riemen am Zaumzeug (der Trense) eines Pferdes, der über den Nasenrücken verläuft. Je nachdem, ob es sich bei der Trense um ein englisches, kombiniertes, hannoveranisches oder mexikanisches Reithalfter handelt, ist zusätzlich ein Sperrriemen vorgesehen oder nicht. Außerdem variiert die Höhe, in der der Nasenriemen verschnallt wird . Tierschutzgerecht und pferdefreundlich verschnallt, muss der Nasenriemen dem Pferd das Kauen, Schlucken und Entspannen der Kaumuskulatur erlauben. Als Richtwert gilt: Es sollten zwei aufrecht stehende Finger bequem und ohne Druck unter den Riemen auf den Nasenrücken passen. |
Ober- und Unterkiefer des Pferdes werden aufeinander gepresst
Durch das Zusperren des Mauls kann das Pferd sein Maul nicht mehr öffnen, um Stress abzubauen. Es kann den Speichel nicht mehr schlucken, was wichtig ist, um die Magensäure zu neutralisieren. Du hast bestimmt schon Pferde mit Schaum rund um das Maul gesehen.
Das Aufeinanderpressen der Kiefergelenke führt zu Bewegungseinschränkungen weiterer Gelenke. Denn es existiert eine direkte Verbindung zwischen den Kiefergelenken und den Hüftgelenken. Normalerweise lockern Kaubewegungen die Muskulatur. Das Kauen wird aber mit Sperrriemen verhindert. Der Druck auf Nasenbein und Unterkiefer steigt außerdem deutlich mit zunehmender Enge des Nasenriemens. Unbehagen, Schmerz oder Gewebeschäden sind die Folge davon.
Erfolgreiches Lernen wird behindert
Für ein erfolgreiches Lernen neuer Aufgaben ist die Beweglichkeit der Zunge von großer Bedeutung. Auf der Zunge befinden sich zahlreiche Nervenbahnen. Wenn ein Pferd kauen, lecken, schlucken kann, werden Informationen neuronal verknüpft. Dadurch lernt das Pferd besser. Mit eng verschnalltem Sperrriemen kann das Pferd die Zunge nicht mehr bewegen, weder kauen noch lecken oder schlucken.
Die Atmung des Pferdes wird erschwert
Pferde atmen nur über die Nüstern. Ein eng verschnallter Sperrriemen erschwert diese Atmung und das bedeutet existenziellen Stress für das Pferd.
Meine Haltung zu Nasenriemen und Sperrriemen
Argumente für den Einsatz des Sperrriemens werden immer noch angeführt:
Der Sperrriemen verhindert, dass das Pferd beim Reiten die Zunge herausstreckt.
Ohne Sperrriemen kann sich die Zunge über das Gebiss legen.
Mein Pferd läuft dann viel besser.
Der Riemen ist für's Turnier erforderlich (ist er in realiter nicht).
Meine Reitlehrerin hat gesagt, ich soll das so machen.
Aber ganz ehrlich, keins der Argumente überzeugt mich auch nur ansatzweise. Die nachteiligen Effekte des Sperrriemens hingegen sind ausführlich untersucht und belegt (Hier kannst Du mehr dazu lesen, was Stress und Schmerzen bei Deinem Pferd bewirken.)
Was Du stattdessen bei mir im Stallschrank findest
Bei mir findest Du keine besonders spektakuläre Ausrüstung. Eher das Gegenteil ist der Fall: ein gut sitzendes Stallhalfter, einen ausreichend langen Strick, einen Kappzaum (wird sehr selten benutzt), eine Trense (wenn Maël damit einverstanden ist).
Das Entscheidende ist für mich nicht, möglichst wenig Ausrüstung zu benutzen, um besonders „natürlich“ zu wirken. Das Entscheidende ist, dass ich mir bei jedem Teil ehrlich die Frage stelle: Brauchen wir das wirklich? Hilft es meinem Pferd? Oder hilft es vor allem mir, weil ich mich damit sicherer, kontrollierter oder handlungsfähiger fühle?
Manchmal ist Ausrüstung sinnvoll. Beim Transport zum Beispiel schütze ich Maëls Beine. Aber auch dann schaue ich genau hin: Kann er damit laufen? Wird ihm zu warm? Wirkt er gestresst?
Ausrüstung darf unterstützen. Sie darf schützen. Aber sie sollte niemals ersetzen, was eigentlich Beziehung, Training, Geduld oder Zuhören braucht.
Fazit
Fünf Dinge, die nicht mehr in meinen Stallschrank kommen. Fünf Entscheidungen, die ich nach ehrlicher Auseinandersetzung mit meinem Gewissen getroffen habe.
Ist das nicht alles ein bisschen extrem und übertrieben?
Meine ehrliche Antwort: Ich finde es extrem – extrem pro Pferd. Ausrüstung zu benutzen, die einem Pferd Schmerzen zufügt, gewollt oder ungewollt, gehört in die Tonne!
Alle Pferdebesitzerinnen sprechen davon, dass sie ihr Pferd über alles lieben. Dass sie eine Freundschaft mit ihrem Pferd aufbauen wollen. Das geht aber nur ohne zu dominieren, zu kontrollieren oder Schmerzen zuzufügen.
Wenn Du wissen möchtest, was Dein Pferd über Deine Ausrüstung denkt, dann frag doch mal nach seiner Meinung. Ich stelle mich gern als Dolmetscherin zur Verfügung (Infos zu den Pferdegesprächen). Oder – noch besser – Du lernst direkt selber, mit Deinem Pferd zu kommunizieren (Infos zu meinen Tierkommunikationskursen). Lass uns in einem kurzen Gespräch herausfinden, wie das aussehen könnte. Die 15 Minuten schenk ich Dir gern.
FAQ – häufige Fragen zu Knotenhalfter, Sporen, Sperrriemen und pferdefreundlicher Ausrüstung
Was bedeutet pferdefreundliche Ausrüstung?
Pferdefreundliche Ausrüstung unterstützt Dein Pferd, ohne es unnötig einzuschränken, zu kontrollieren oder ihm Schmerzen zuzufügen. Für mich bedeutet das: Die Ausrüstung passt anatomisch, lässt Atmung, Kauen, Bewegung und Ausdruck zu und ersetzt nicht, was eigentlich durch Beziehung, Training, Geduld oder besseres Zuhören entstehen sollte.
Es geht also nicht darum, möglichst wenig oder besonders „natürlich“ auszurüsten. Es geht darum, ehrlich hinzuschauen: Hilft dieses Teil meinem Pferd wirklich? Oder macht es mir nur leichter, Kontrolle auszuüben?
Ist ein Knotenhalfter schlecht fürs Pferd?
Ein Knotenhalfter ist nicht einfach nur ein anderes Halfter. Es wirkt durch dünnes Seil und Knoten sehr direkt auf den empfindlichen Pferdekopf. Genau deshalb reagieren viele Pferde darauf so „fein“. Die Frage ist nur: Reagieren sie fein, weil sie verstanden haben? Oder weil der Druck unangenehm ist?
Für mich ist das Risiko zu groß. Schon ein unvorhersehbarer Moment reicht: Dein Pferd erschrickt, tritt auf den Strick, will ins Gras oder wirft den Kopf hoch. Dann wirkt das Knotenhalfter nicht mehr fein, sondern sehr scharf. Deshalb benutze ich es nicht mehr.
Darf man ein Pferd mit Knotenhalfter anbinden?
Nein, das würde ich auf keinen Fall tun. Ein Knotenhalfter hat keine Sollbruchstelle und ist aus sehr stabilem Seil gemacht. Wenn Dein Pferd sich erschrickt und sich ins Halfter hängt, kann es sich schwer verletzen.
Für mich gehört ein Knotenhalfter deshalb weder an den Anbindebalken noch auf die Weide, in die Box oder in den Anhänger. Und ehrlich gesagt: Genau dieser Punkt ist einer der Gründe, warum ich es gar nicht mehr benutze.
Sind Sporen Tierquälerei?
Sporen sind nicht automatisch Tierquälerei. Aber sie können sehr schnell schmerzhaft werden, wenn sie unruhig, unbewusst oder als Verstärkung von Druck eingesetzt werden.
Ich weiß, dass viele Reiterinnen sagen: Sporen sind nur zur Verfeinerung der Hilfen da. Das habe ich früher auch so gelernt. Heute frage ich anders: Warum brauche ich einen metallenen Impuls am Pferdebauch, um verstanden zu werden? Und was macht das mit der Motivation meines Pferdes?
Für Maël und mich habe ich entschieden: Ich möchte keine Hilfe benutzen, die im Zweifel über Schmerz oder unangenehmen Druck wirkt.
Warum ist der Sperrriemen problematisch?
Der Sperrriemen soll verhindern, dass das Pferd das Maul aufsperrt oder den Unterkiefer zu stark bewegt. Genau darin liegt für mich das Problem. Denn wenn ein Pferd das Maul öffnet, tut es das nicht grundlos.
Vielleicht passt das Gebiss nicht. Vielleicht ist die Hand zu hart. Vielleicht hat das Pferd Schmerzen im Maul, im Kiefer, im Genick oder im Rücken. Vielleicht ist es gestresst oder überfordert.
Ein Sperrriemen löst diese Ursache nicht. Er verhindert nur, dass das Pferd sie deutlich zeigen kann. Und das passt für mich nicht zu einer Beziehung, in der mein Pferd gehört und gesehen werden soll.
Sind Hilfszügel sinnvoll beim Longieren?
Hilfszügel können ein Pferd in eine bestimmte Haltung bringen. Aber Haltung ist nicht dasselbe wie Losgelassenheit, Balance oder gesunde Bewegung.
Für mich entsteht eine gute Körperhaltung nicht dadurch, dass der Kopf in eine Position gebracht wird. Sie entsteht, wenn das Pferd körperlich dazu in der Lage ist, sich auszubalancieren, den Rücken aufzuwölben und mit Freude mitzuarbeiten.
Deshalb verwende ich keine Hilfszügel. Ich möchte, dass Maël seinen Körper aus sich heraus organisiert – nicht, weil ein Riemen ihn in eine Form bringt.
Woran erkenne ich, ob Ausrüstung meinem Pferd nicht guttut?
Schau nicht nur auf die Ausrüstung. Schau auf Dein Pferd.
Wird es unruhig, wenn Du ein bestimmtes Teil holst? Dreht es den Kopf weg? Sperrt es das Maul auf? Wird es fest im Körper, hält die Luft an oder wirkt es plötzlich innerlich abwesend? Bewegt es sich anders als ohne diese Ausrüstung?
All das können Hinweise sein, dass etwas nicht passt. Nicht jedes Signal bedeutet sofort Schmerz. Aber jedes Signal verdient Deine Aufmerksamkeit.
Dein Pferd spricht mit Dir. Auch über Ausrüstung.







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