Trauma beim Pferd erkennen
- Katja Hammerschmidt

- 25. Feb.
- 14 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Mai
Warum Verhalten oft ein Hilfeschrei ist – Pferdepsychologie verstehen
Aus der Reihe Pferdepsychologie verstehen

Der Wunsch ist eigentlich ganz simpel: ein entspannter Gang aus der Box, ein ruhiges Führen über den Hof – ohne Ziehen, ohne innerliche Anspannung, ohne Losreißen. Ausreiten, ohne dass das Herz des Menschen schneller schlägt als das des Pferdes. Bewegungsfreude spüren. Leichtigkeit und Spaß im gemeinsamen Alltag.
Wieder gern zum Stall fahren. Ohne Stress und Sorgen. Ohne das Gefühl, ständig analysieren, absichern und kontrollieren zu müssen.
Wenn sich jedoch Alltagssituationen schwer und anstrengend anfühlen – beim Führen, Reiten, Verladen oder sogar einfach nur im Zusammensein, dann liegt die Ursache nicht immer an der Kommunikation, am Training oder an uns.
Manchmal liegt sie viel tiefer, im Nervensystem des Pferdes. In Erfahrungen, die es gemacht hat und die noch immer nachwirken in seinem Verhalten und nicht selten auch in seiner körperlichen Gesundheit.
In diesem Artikel geht es darum, Trauma beim Pferd zu erkennen. Zu verstehen, wie das Nervensystem auf überwältigende Erfahrungen reagiert. Und warum Verhalten keine Ungezogenheit ist, sondern ein unbewusster Versuch des Pferdes, sich zu schützen – und ein Hilfeschrei an uns.
Vielleicht entsteht beim Lesen ein leises Wiedererkennen. Vielleicht bist Du gerade an diesem Punkt zwischen dem Wunsch, dass sich etwas ändert, und der Ratlosigkeit, was Du tun kannst. Genau dort war ich auch.
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Trauma beim Pferd erkennen |
Das Wichtigste auf einen Blick |
Trauma entsteht, wenn ein Pferd eine Situation erlebt, die sein Nervensystem nicht selbst regulieren kann. Die Erfahrung wird im Körper auf der Ebene des Unterbewusstseins gespeichert – nicht im bewussten Denken. In belastenden Momenten reagiert das Pferd dann mit Flucht (Flight), Kampf (Fight) oder Erstarrung (Freeze). Was wie Ungehorsam wirkt, ist oft Selbstschutz. Trauma zeigt sich im Verhalten - und nicht selten auch in der körperlichen Gesundheit. Es lässt sich nicht wegtrainieren, sondern braucht Regulation und ein genaues, traumasensibles Hinsehen. Und – Trauma betrifft nie nur das Pferd. Es wirkt immer auch in die Beziehung zwischen Mensch und Pferd hinein. |
Inhaltsverzeichnis
Wenn Verhalten kein Widerstand ist – sondern Selbstschutz
Es gibt diese Phasen, in denen Du alles gibst, und trotzdem fühlt sich nichts leicht an.
Du überprüfst Fütterung, Haltung, Training. Du lässt Zähne machen, Sattel kontrollieren, Blutwerte anschauen. Du reflektierst Dich selbst. Und trotzdem bleibt dieses leise, nagende Gefühl – warum wird es nicht besser? Vielleicht bleibt Dein Pferd immer wieder stehen, wenn Ihr den Hof verlassen wollt. Vielleicht reagiert es übermäßig schreckhaft. Vielleicht wirkt es innerlich abwesend. Oder es explodiert in Situationen, die eigentlich unspektakulär sind. Oder es ist ständig krank oder verletzt.
Und irgendwann schleicht sich bei Dir ein Zweifel ein. Nicht laut, aber stetig. Mache ich etwas falsch? Bin ich nicht klar genug? Nicht konsequent genug? Nicht fein genug?
Ich kenne diese Gedanken nur zu gut.
Als Maël zu mir kam, lief er wochenlang nur rückwärts. Es hört sich lustig an, war aber eine echte Herausforderung für mich. Ich konnte nicht einmal die normalsten Wege im Stall mit ihm gehen. Es war als würde jede Vorwärtsbewegung für ihn eine Bedrohung darstellen. Ich konnte ihn teilweise kaum aus der Box oder durch die Stallgasse führen. Als das vorüber war hab ich ganze Trainingseinheiten auf die Weide verlegt, weil er sich nicht einfangen ließ. Beim Reiten fehlte jede Energie und Bewegungsfreude. Und wenn wir den Stall verlassen wollten, blieb er stehen – nicht trotzig, sondern wie eingefroren.
Medizinisch war alles unauffällig. Also suchte ich die Lösung in Training, Struktur, Geduld, Konsequenz. Und dann noch mehr Verständnis, noch mehr Einsatz. Doch egal, was ich tat, es änderte sich nichts.
Der eigentliche Wendepunkt kam erst, als ich aufhörte, sein Verhalten ändern zu wollen und begann es ernst zu nehmen. Ich habe aufgehört zu fragen – wie bekomme ich das weg? und begann zu fragen – warum benimmt er sich so? Und noch wichtiger – was geht in seinem Inneren gerade vor?
Was im Körper gespeichert wird
Pferde sind hochsensible Lebewesen. Ihr Nervensystem reagiert fein auf jede Veränderung im Außen. Angst, Stress, Verlust, Überforderung. Alll das erleben Pferde genauso intensiv wie wir Menschen. Pferde sind Individuen mit ganz unterschiedlichen Vorlieben und Abneigungen. Und genau, wie wir Menschen werden sie durch das geprägt, was sie erlebt haben bzw. aktuell erleben.
Wenn ein Pferd etwas erlebt, das so beängstigend oder belastend ist, dass es diese Angst bzw. diesen Stress nicht alleine bewältigen kann, zum Beispiel
einen Unfall,
sozialen Stress,
dauerhafte Überforderung oder
den Verlust eines vertrauten Gefährten,
dann vergräbt und speichert es dieses traumatische Erlebnis ganz tief im Körper, um es ja nicht noch einmal fühlen zu müssen.
Stell Dir vor, Du hast zu Hause zu viel Krimskrams. Und obwohl Dich das massiv stört, magst Du Dich nicht ganz davon trennen und ihn weggeben. Also schließt Du den Kram in die Schublade ganz hinten im Schrank ein, damit Du ihn nicht mehr sehen und fühlen musst und wieder funktionieren kannst.
Aber der Krimskrams verschwindet nicht. Er ist immer noch da. Und wenn die Schublade zu voll wird, springt sie auf – in einem Moment, in dem Du gar nicht damit rechnest. Genauso wie die Schublade hält der Körper Deines Pferdes die Anspannung des traumatischen Erlebnisses aufrecht, damit er in ähnlich bedrohlichen Situationen schnell reagieren kann. Und wenn später etwas passiert – ein Geräusch, eine bestimmte Situation, eine Anforderung –, etwas, das an diesen Moment erinnert, reagiert das Nervensystem Deines Pferdes nicht auf die Gegenwart, sondern auf das, was in der Vergangenheit passiert ist.
Dein Pferd schaltet auf Autopilot, um der Gefahr zu entkommen. Es reagiert in diesem Überlebensmodus mit Flucht, Kampf oder Erstarrung. Nicht, weil es dominant ist oder "schwierig" ist, sondern weil sein System glaubt, es müsse sich schützen.
Wenn Anspannung zum Dauerzustand wird – Flight, Fight, Freeze
Viele traumatisierte Pferde leben in dauerhafter Alarmbereitschaft. Der Körper ist angespannt, der Stresshormonspiegel erhöht. Selbst in ruhigen Momenten, findet keine echte Selbstregulation statt. Die Anspannung bleibt.
Vielleicht hast Du schon einmal bemerkt, dass Pferde sehr unterschiedlich auf Stress reagieren.
Manche Pferde explodieren. Sie steigen, bocken, reißen sich los und rennen um ihr Leben. Oder sie zeigen sehr deutliche Aggression. Das sind die aktiven Stresstypen. Sie reagieren in der Regel mit Flight oder Fight – Flucht oder Kampf.
Andere werde still. Sie ziehen sich zurück, wirken lustlos und nicht wirklich präsent. Sie funktionieren, wirken brav und unerschrocken. Aber innerlich sind sie wie abgeschnitten. Das ist die Reaktion der passiven Stresstypen. Sie gehen ins Freeze – ins Erstarren.
Gerade das Freeze wird oft missverstanden. Ein Pferd, das "alles mitmacht", gilt schnell als unkompliziert. Äußerlich ist es nicht immer leicht zu erkennen. Doch diese scheinbare Unkompliziertheit ist kein Zeichen von Vertrauen, sondern von Überforderung. Das Nervensystem ist so angespannt, dass das Pferd permanent in einer Art Freeze erstarrt.
Wie Flight, Fight, Freeze im Alltag konkret aussehen kann, zeige ich Dir in meinem Artikel Es gibt keine Problempferde. Dann gibt es noch die Pferde, die krank werden oder sich immer wieder verletzen. Denn die dauerhafte Anspannung hat nicht nur Auswirkungen auf das Verhalten Deines Pferdes. Sie kann auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Sie beeinträchtigt u.a. den Stoffwechsel. Auch wird die Entstehung von chronischen Erkrankungen begünstigt.
Trauma ist nicht immer spektakulär. Oft ist es subtil, aber es prägt Verhalten und körperliche Gesundheit tiefgreifend.
Wie sich Trauma im Alltag zeigt
Typische Anzeichen von Trauma können sein
extreme Schreckhaftigkeit
plötzliche Aggression
Rückzug oder Teilnahmslosigkeit
Widersetzlichkeit beim Verladen oder Ausreiten
fehlende Bewegungsfreude
chronische Erkrankungen
immer wiederkehrende Verletzungen
Manche Pferde leben mit einem permanent erhöhten Cortisol- oder Adrenalinspiegel. Sie kommen innerlich nie wirklich zur Ruhe. Manche legen sich kaum noch hin. Manche nehmen dauerhaft ab oder zu. Der Körper bleibt in Alarm, auch wenn objektiv keine Gefahr da ist.
Es gibt keine "Arschlochpferde"
Ich sage das ganz klar – Verhalten ist keine Charakterfrage.
Wenn ein Pferd tritt, steigt oder sich losreißt, ist das keine moralische Entscheidung. Es ist eine Schutzstrategie.
Warum ich sage Es gibt keine Problempferde und was das konkret im Alltag bedeutet, kannst Du in meinem gleinchnamigen Artikel lesen.
Die entscheidende Frage ist nicht "Wie unterbinde ich das?", sondern "Was macht das Nervensystem meines Pferdes gerade so unsicher?".
Fallbeispiele aus meinem Alltag
Manchmal ist ein Sturz der Anfang von etwas, das viel tiefer geht. Zwei Geschichten aus meiner Arbeit, die zeigen, was wirklich hinter dem Verhalten eines Pferdes stecken kann.
Die Haflingerstute – wenn ein Unfall das Fass zum Überlaufen bringt
Eine meiner Kundinnen, ich nenne sie hier Anna, hat eine Haflingerstute.
Die Stute war schon immer nervös und aufgewühlt, seit sie bei Anna lebte. Sie riss sich mal los, sprang weg, kam selten wirklich zur Ruhe. Trotzdem hatte Anna das gut im Griff. Die beiden kannten sich, sie ritten gemeinsam aus, und wenn Anna im Gelände merkte, dass ihre Stute zu nervös wurde, sprang sie einfach ab und führte sie vom Boden.
Dann kam der eine Ausritt.
Ein Rascheln im Gebüsch, vermutlich ein Wildschwein. Die Stute spannte sich an. Anna wollte abspringen, schaffte es aber nicht. Beide hatten in diesem Moment Angst. Und in dieser gemeinsamen Panik fielen sie in einen Graben.
Was danach kam, war für Anna kaum mehr auszuhalten.
Die Stute war kaum noch zu händeln. Sie explodierte bei kleinsten Dingen, ließ sich nicht mal mehr ruhig über den Hof führen. Den Hof zu verlassen war undenkbar. Es war gefährlich für die Stute und für Anna. Anna traute sich auch nicht mehr in den Sattel. Sie hatte Angst vor ihrer eigenen Stute.
Der Unfall war nicht der Anfang
Als wir anfingen miteinander zu arbeiten, mit Tierkommunikation und Seelenlauf, wurde schnell klar – der Unfall war nicht der Anfang. Er war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte.
Trauma zeigt sich nicht immer dort, wo wir es vermuten
In der Tierkommunikation erzählte mir die Stute aus ihrer frühesten Zeit. Sie war mit sechs Monaten abgesetzt und verkauft worden. Nachts hatte man sie auf einen fremden Hof gebracht und im Dunkeln auf eine unbekannte Weide gestellt. Dort warteten zwei Jungpferde auf sie. Kein erwachsenes Tier. Niemand, der Ruhe und Sicherheit vermittelt hätte. Die Stute geriet in Panik, brach durch den Zaun und lief in den Ort. Sie wurde zurückgeholt und wieder auf dieselbe Weide gestellt.
Das gleiche Setup, kein Ausweg.
In dieser kleinen Konstellation aus drei jungen Pferden hatte die Stute nie gelernt, sich selbst zu regulieren, denn es gab kein ruhiges Leittier, keinen Sicherheitsanker. Sie war von Anfang an immer auf sich allein gestellt.
Das zeigte sich im Seelenlauf sehr eindrücklich. Als ich für die Stute spiegelte, lief ich auf Zehenspitzen. Ich wollte den Boden kaum berühren, hatte keine Erdung und keine Verwurzelung. Und am Ende kroch ich regelrecht in mir zusammen, kauerte mich auf den Boden. Eine Art stilles
Lasst mich bitte alle in Ruhe. Das ist zu viel. Ich will weg.
So kann sich Trauma zeigen, nicht nur im Pferd selbst, sondern auch in meiner Spiegelung.
Wir arbeiteten an der Erdung der Stute, damit sie ihre Ängste loslassen und Urvertrauen in sich und die Welt aufbauen konnte. Und wir arbeiteten mit Anna – an ihrer Angst, an ihrem Vertrauen in sich und in ihre Stute. Denn wenn die Besitzerin innerlich angespannt ist, spürt das Pferd es sofort.
Und dann ging es plötzlich schnell
Drei Monate später schickte Anna mir Videos. Sie reitet aus, entspannt, mit Hund und Beipferd, strahlend. Drei Monate für ein Trauma, das so tief in der Frühgeschichte dieser Stute verwurzelt war.
Was den Unterschied gemacht hat? Anna hat von Anfang an mitgearbeitet. Dazu gehörte unter anderem, dass sie die Hausaufgaben in Form einer Körperübung jeden Tag sehr konsequent gemacht hat. Dann kann Veränderung manchmal erstaunlich schnell gehen.
Der PRE – wenn Misstrauen tiefer geht als jede Beziehung
Ein anderer Fall, den ich hier teilen möchte, ist ein PRE, mit dem ich mittlerweile seit über einem halben Jahr im Coaching arbeite.
Er wurde in Spanien für den Stierkampf ausgebildet. Was er dort erlebt hat, hat er mir in der Tierkommunikation in Bildern gezeigt. Eindrückliche Bilder, die ich so schnell nicht vergessen habe.
Bei seiner neuen Besitzerin begann zunächst alles gut. Zwei Monate lief alles wunderbar. Sie konnte reiten. Sie konnte ihn normal führen. Und dann, als wäre ein Schalter umgelegt worden: Niemand konnte mehr in seine Box gehen. Er drohte mit angelegten Ohren und Hinterbeinen. Das Aufhalftern dauerte manchmal eine halbe Stunde, weil er so ängstlich war.
Wenn Nähe sich wie Bedrohung anfühlt
Als ich vor Ort zum Termin kam, erlebte ich etwas, das ich so noch nicht erlebt hatte. Ich konnte mich ihm nicht auf mehr als anderthalb Meter nähern. Sobald ich näher trat, sprang er in Panik weg. Selbst die hingehaltene Möhre berührte er nur kurz mit den Lippen, um dann das Weite zu suchen. Die Angst und das tiefe Misstrauen in ihm waren spürbar.
Das war kein schlechtes Benehmen. Das war ein Pferd, das so tief verletzt worden war, dass es nicht einmal mehr eine Belohnung annehmen konnte.
Sicherheit lässt sich nicht erzwingen
Wir arbeiteten viel mit dem Seelenlauf. Es ging um seine Ängste und seinen Wunsch nach Sicherheit. Sobald er sich dem Erdungsprozess öffnete, konnte er die alten Muster ein Stück weit loslassen. Er spürte sich wieder. Das gab ihm Halt.
Parallel arbeitete ich auch mit seiner Besitzerin. Denn auch sie hatte inzwischen höllischen Respekt vor ihrem Pferd, und das war völlig nachvollziehbar. Pferde co-regulieren sich mit uns, oder sie können es nicht, weil wir selbst zu aufgewühlt sind. Damit sie ihm wirklich Sicherheit anbieten konnte, musste auch sie lernen, geerdet zu bleiben.
Vertrauen zeigt sich freiwillig
Nach einigen Wochen konnte sie ihn wieder aufhalftern. Er ließ sich wieder führen, ohne sich loszureißen. Vor Kurzem sind die beiden in einen neuen Stall umgezogen, ruhiger, mit viel Wald rund um das Gelände. Das tut ihm spürbar gut.
Die beiden haben noch einen langen Weg vor sich. Aber schon heute ist er ein anderes Pferd. Sie können wieder reiten und waren vor Kurzem sogar im Wald unterwegs. Das wäre vor Monaten überhaupt nicht denkbar gewesen. Andere Menschen können ihn führen, ohne dass er in Panik gerät. Und wenn seine Besitzerin sich aufs Paddock setzt, kommt er zu ihr. Er sucht ihre Nähe. Er kommt zum Kuscheln.
Das ist es, wofür ich diese Arbeit mache.
Und was macht das mit Dir?
In den ersten Monaten mit meinem Pferd Maël bin ich jeden Tag voller Sorgen zum Stall gefahren. Ich wusste nie, in welcher Verfassung ich ihn antreffe. Ständig hab ich mich gefragt, ob ich alles richtig mache. Ich hab Unsummen für Trainer, Tierärzte und andere Pferdeexperten ausgegeben, ohne dass sich sein Zustand verbessert hätte.
Nicht nur die Sorge um das Pferd, sondern auch Unsicherheit und Überforderung sind jeden Tag präsent. Viele meiner Kundinnen erzählen mir, dass sie Angst vor ihrem eigenen Pferd haben. Sie haben Angst, in Situationen zu geraten, die gefährlich für ihr Pferd und für sie selbst sind. Darüber wird wenig gesprochen. Aber es ist sehr real.
Wenn Vertrauen bröckelt, weil Reaktionen nicht mehr einschätzbar sind, beginnt auch im Menschen ein Stresskreislauf. Nähe wird zur Pflicht. Freude weicht Anspannung. Man funktioniert und versorgt, statt sich wirklich verbunden zu fühlen.
Der Stallbesuch wird zu einer Pflichtveranstaltung. Und Du bereitest Dich innerlich ständig auf das vor, was heute passieren könnte.
In Dir regt sich vielleicht sogar eine leise Stimme, die fragt, ob Dein Pferd woanders glücklicher wäre. Aber gleichzeitig weisst Du, dass Dein Pferd dann zum Wanderpokal werden würde. Denn es wird sich vermutlich auch bei neuen Besitzern nicht anders verhalten als bei Dir. Das willst Du ihm auf keinen Fall antun und deshalb struggelst Du weiter.
Trauma betrifft nie nur das Pferd. Es wirkt in die Pferd-Mensch-Beziehung hinein.
Warum Training hier nicht reicht
Training arbeitet im bewussten Erleben. Es setzt beim Verhalten an. Trauma jedoch ist im Nervensystem gespeichert – auf der Ebene des Unterbewusstseins.
Du kannst Verhalten deckeln. Du kannst es kurzfristig kontrollieren. Vielleicht kannst Du Pferde zum Funktionieren zwingen. Aber Du kannst es nicht heilen, solange die Ursache unangetastet bleibt.
Nochmal, es gibt keine "Arschlochpferde". Es gibt Pferde, deren Nervensystem im dauerhaften Alarmzustand ist.
Deshalb geht es in meiner Arbeit nicht darum, Verhalten zu korrigieren oder das Pferd zum Funktionieren zu bringen. Es geht darum, Sicherheit herzustellen.
Traumaarbeit ist ein Prozess
In der Tierkommunikation darf das Pferd mitteilen, wie es Situationen erlebt. Was ihm Angst macht oder wo es sich übergangen oder allein gelassen fühlt. Dieses Gehörtwerden verändert bereits spürbar etwas, weil das Pferd aus dem Inneren "ich werde nicht gesehen" heraustritt.
Mit dem Seelenlauf arbeite ich zusätzlich körperorientiert auf der Ebene des Unterbewusstseins bzw. auf der Seelenebene. Dort, wo der Körper das Trauma abgespeichert hat.
Mit dem Seelenlauf bringen wir den Körper dazu, das zu Tun, was er die ganze Zeit vermeiden will – wir bringen ihn wieder dazu zu fühlen. Dadurch kann sich das Nervensystem wieder regulieren. Die dauerhafte Anspannung kann sich lösen. Das bedeutet nicht, alte Wunden aufzureißen. Es bedeutet, dem Körper zu erlauben, sich wieder in Sicherheit zu fühlen. Und oft verändert sich dann mehr, als Training je bewirken könnte.
Traumaarbeit ist selten mit einem Termin erledigt.
Ich beschreibe es oft wie Zwiebelschälen. Schicht für Schicht wird etwas sichtbar. Manchmal geht es bergauf. Manchmal gibt es Rückschritte. Der Prozess verläuft in Wellen – mit Gipfeln und Tälern. Aber die Täler werden flacher und insgesamt geht die Bewegung nach oben.
Das kannst Du mir der Traumaarbeit erreichen
Kann der Körper sich wieder sicher fühlen und entspannen, wird Dein Pferd nicht mehr beim kleinsten Anlass in die Luft gehen oder erstarren. Es wird sich in Stresssituationen wieder selbst regulieren können und insgesamt weniger stressanfällig sein. Kommunikation wird klarer. Bewegungsfreude kehrt zurück. Körperliche Gesundheit bessert sich.
Dein Pferd kann lernen, sich wieder selbst zu regulieren. Es muss nicht mehr im Überlebensmodus kämpfen oder erstarren. Es darf wieder leben, nicht nur funktionieren.
Und Du spürst vor allem eins – Entlastung und Erleichterung. Du kannst Deinem Pferd wieder vertrauen.
Vielleicht ist es keine Trainingsfrage
Wenn Du Dich in diesen Zeilen wiederfindest, dann ist das kein Zeichen von Versagen. Es ist ein Zeichen, dass Du hinschaust und Verantwortung übernimmst.
Nicht jedes Verhalten braucht mehr Konsequenz. Manches Verhalten braucht mehr Hinhören. Es braucht keine stärkere Hand, sondern ein reguliertes Nervensystem.
Unsere Pferde sprechen mit uns – jeden Tag. Die Frage ist nicht, ob sie etwas zeigen, sondern, ob wir bereit sind, wirklich zuzuhören.
Wenn Du das Gefühl hast, dass hinter dem Verhalten Deines Pferdes mehr steckt als "Ungehorsam", dann lass uns sprechen. Ursachenforschung bringt Dich schneller ans Ziel als Symptombehandlung.
Ich schenk Dir 15 Minuten für Dich und Dein Pferd, in denen wir besprechen, ob und wie ich Euch unterstützen kann.
Bereit, neue Wege zu gehen? Buch Dir gern einen Termin hier in meinem Kalender.
FAQ – Häufige Fragen zu Trauma beim Pferd
Woran erkenne ich ein Trauma beim Pferd?
Ein Trauma beim Pferd erkennst Du selten an einem einzelnen Symptom. Viel häufiger zeigt sich eine Kombination aus Veränderungen im Verhalten und im Körper
Typisch sind zum Beispiel starke Schreckreaktionen, Rückzug, Aggression oder ein dauerhaft angespanntes Nervensystem. Möglich ist aber auch, dass Dein Pferd teilnahmslos ist, sich nicht bewegen mag, nur noch "funktioniert" ohne wirklich Lebensfreude zu zeigen. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen oder Weben können auf ein traumatisches Erlebnis zurückzuführen sein.
Körperliche Symptome können sich in Appetitlosigkeit, Stoffwechselstörungen (zum Beispiel starke Gewichtszunahme oder -abnahme) oder auch in chronischen Erkrankungen zeigen.
Wenn Du eines oder mehrere dieser Symptome bei Deinem Pferd über einen längeren Zeitraum oder immer wiederkehrend beobachtest, kann es sein, dass Dein Pferd ein traumatisches Ereignis noch nicht verarbeitet hat.
Welche Symptome zeigt ein traumatisiertes Pferd?
Ein traumatisiertes Pferd kann sehr unterschiedliche Symptome zeigen. Häufig sind
extreme Schreckhaftigkeit,
plötzliche oder unerklärliche Aggression,
Erstarren (Freeze) oder Rückzug,
fehlende Bewegungsfreude,
chronischer Stress oder immer wiederkehrende Erkrankungen.
Oft treten mehrere Symptome gleichzeitig auf oder wechseln sich ab.
Was passiert im Nervensystem eines traumatisierten Pferdes?
Das Nervensystem entscheidet darüber, ob sich Dein Pferd sicher oder bedroht fühlt. Je nachdem wie stabil bzw. resilient das Nervensystem Deines Pferdes ist, kann es bei Stress gut oder weniger gut selbst regulieren.
Bei einem Trauma bleibt das Nervensystem und damit auch der Körper Deines Pferdes oft in einem dauerhaften Alarmzustand. Das Nervensystem hat das traumatische Ereignis und den damit verbundenen Schrecken gespeichert. In ähnlichen Situationen reagiert Dein Pferd dann nicht nur auf die aktuelle Situation, sondern auf die im Körper gespeicherte Erfahrung.
Das kann dazu führen, dass Dein Pferd in vermeintlich harmlosen Situationen total überreagiert, einfriert oder eine andere für Dich völlig unverständliche Reaktion zeigt.
Kann ein Pferd dauerhaft gestresst sein, ohne dass ich es sofort merke?
Ja – und das ist sogar ziemlich häufig.
Nicht jedes gestresste Pferd zeigt das offen. Manche wirken ruhig und „funktionieren“, stehen innerlich aber dauerhaft unter Anspannung.
Dieses chronisch gestresste Nervensystem ist oft die Grundlage für spätere Verhaltensprobleme oder körperliche Symptome.
Warum zeigt mein Pferd plötzlich extremes Verhalten?
Es ist nicht Böswilligkeit, Ungehorsam oder Faulheit, wenn Dein Pferd plötzlich sehr stark reagiert. Sein Verhalten ist eine Stressreaktion – ausgelöst durch eine beängstigende Erfahrung in der Vergangenheit, die im Nervensystem abgespeichert ist.
Das kann ein Geräusch, eine Situation oder auch Deine eigene Anspannung sein. Für Dein Pferd fühlt es sich in dem Moment real bedrohlich an.
Mit seinem Verhalten will Dein Pferd Dir mitteilen: "Ich komme mit der Situation alleine nicht klar. Bitte hilf mir."
Warum hilft Training bei traumatisierten Pferden oft nicht weiter?
Lernprozesse und Training sind kognitive Prozesse. Sie werden im Bewusstsein gesteuert.
Ein Trauma sitzt aber tiefer – im Nervensystem und im Körper. Über den Verstand und das Bewusstsein erreichen wir das Trauma nicht.
Deshalb kann Training Symptome vielleicht kurzfristig verändern, aber nicht die eigentliche Ursache lösen. Du arbeitest dann am Verhalten und damit an den Symptomen, nicht an den dahinterliegenden Ursachen.
Etwas verändern kannst Du, wenn Du Dir anschaust, warum sich Dein Pferd so verhält – also Ursachenforschung betreibst. Dabei können Tierkommunikation und Seelenlauf unterstützen.
Kann man ein Trauma beim Pferd lösen?
Ja – aber nicht im Sinne von „wegmachen“.
Ein Trauma kann sich so verändern, dass das Nervensystem Deines Pferdes wieder Sicherheit erlebt und sich regulieren kann.
Dafür braucht es
Zeit,
ein sicheres Umfeld
und einen Ansatz, der den Körper mit einbezieht.
Genau hier setzt traumasensible Arbeit an.







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