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Trauma beim Pferd erkennen

  • Autorenbild: Katja Hammerschmidt
    Katja Hammerschmidt
  • vor 20 Stunden
  • 9 Min. Lesezeit

Warum Verhalten oft ein Hilfeschrei ist



Aufmerksames braunes Pferd mit weißer Blesse in der Herde – sensibles Nervensystem und feiner Ausdruck
Selbstbewusster, ausdrucksstarker, fuchsfarbener Wallach mit weißer Blesse in seiner Herde | © Katja Hammerschmidt Fotografie


Du möchtest Dein Pferd entspannt aus der Box oder über den Hof führen, ohne Ziehen, ohne innerliche Anspannung, ohne losreißen. Du möchtest ausreiten, ohne dass Dein Herz schneller schlägt als das Deines Pferdes. Du wünscht Dir, dass Dein Pferd mehr Bewegungsfreude zeigt und Spaß an Eurer gemeinsamen Zeit hat.


Du möchtest entspannt zum Stall fahren und Dich nicht ständig fragen, welche Katastrophe heute auf Dich wartet. Du willst nicht permanent analysieren, absichern, kontrollieren. Du willst Dich bei Deinem Pferd sicher fühlen. Ihm vertrauen. Mehr Leichtigkeit in Eurer Beziehung spüren und die Zeit mit ihm einfach geniessen.


Kurz gesagt - Du willst wieder gern zum Stall fahren.


Und genau hier beginnt das Thema, über das ich mit Dir sprechen möchte. Denn, wenn sich Alltagssituationen schwer und anstrengend anfühlen - beim Führen, Reiten, Verladen oder sogar einfach nur im Zusammensein, dann liegt die Ursache nicht immer an der Kommunikation, am Training oder an Dir.


Manchmal liegt sie viel tiefer, im Nervensystem Deines Pferdes. In Erfahrungen, die es.gemacht hat und die noch immer sein Verhalten und seine Gesundheit beeinflussen.


In diesem Artikel möchte ich Dir zeigen, wie Du Trauma beim Pferd erkennen kannst und was es bewirkt. Wie das Nervensystem auf überwältigende Erfahrungen reagiert. Und warum Verhalten keine Ungezogenheit ist, sondern ein unbewusster Versuch Deines Pferdes, sich zu schützen.


Vielleicht erkennst Du Dich schon in manchen Situationen wieder. Vielleicht bist Du genau an diesem Punkt - zwischen dem Wunsch, dass sich etwas ändert, und der Ratlosigkeit, was Du tun kannst. Genau dort war ich auch.




Trauma beim Pferd erkennen

 Das Wichtigste auf einen Blick

Trauma entsteht, wenn ein Pferd eine Situation erlebt, die sein Nervensystem nicht selbst regulieren kann. Die Erfahrung wird im Körper auf der Ebene des Unterbewusstseins gespeichert - nicht im bewussten Denken.


In belastenden Momenten reagiert das Pferd dann mit Flucht (Flight), Kampf (Fight) oder Erstarrung (Freeze). Was wie Ungehorsam wirkt, ist oft Selbstschutz.


Trauma zeigt sich im Verhalten - und nicht selten auch in der körperlichen Gesundheit. Es lässt sich nicht wegtrainieren, sondern braucht Regulation und ein genaues, traumasensibles Hinsehen.


Und - Trauma betrifft nie nur das Pferd. Es wirkt immer auch in die Beziehung zwischen Mensch und Pferd hinein.



Inhaltsverzeichnis







Wenn Verhalten kein Widerstand ist - sondern Selbstschutz


Es gibt diese Phasen, in denen Du alles gibst, und trotzdem fühlt sich nichts leicht an.


Du überprüfst Fütterung, Haltung, Training. Du lässt Zähne machen, Sattel kontrollieren, Blutwerte anschauen. Du reflektierst Dich selbst. Und trotzdem bleibt dieses leise, nagende Gefühl - warum wird es nicht besser? Vielleicht bleibt Dein Pferd immer wieder stehen, wenn Ihr den Hof verlassen wollt. Vielleicht reagiert es übermäßig schreckhaft. Vielleicht wirkt es innerlich abwesend. Oder es explodiert in Situationen, die eigentlich unspektakulär sind. Oder es ist ständig krank oder verletzt.


Und irgendwann schleicht sich bei Dir ein Zweifel ein. Nicht laut, aber stetig. Mache ich etwas falsch? Bin ich nicht klar genug? Nicht konsequent genug? Nicht fein genug?


Ich kenne diese Gedanken nur zu gut.


Als Maël zu mir kam, lief er wochenlang nur rückwärts. Es hört sich lustig an, war aber eine echte Herausforderung für mich. Ich konnte nicht einmal die normalsten Wege im Stall mit ihm gehen. Es war als würde jede Vorwärtsbewegung für ihn eine Bedrohung darstellen. Ich konnte ihn teilweise kaum aus der Box oder durch die Stallgasse führen. Ganze Trainingseinheiten habe ich auf die Weide verlegt, weil er sich nicht einfangen ließ. Beim Reiten fehlte jede Energie und Bewegungsfreude. Und wenn wir den Stall verlassen wollten, blieb er stehen - nicht trotzig, sondern wie eingefroren.


Medizinisch war alles unauffällig. Also suchte ich die Lösung in Training, Struktur, Geduld, Konsequenz. Und dann noch mehr Verständnis, noch mehr Einsatz. Doch egal, was ich tat, es änderte sich nichts.


Der eigentliche Wendepunkt kam erst, als ich aufhörte, sein Verhalten ändern zu wollen und begann es ernst zu nehmen. Ich habe aufgehört zu fragen "Wie bekomme ich das weg?"" und begann zu fragen "Warum benimmt er sich so?" Und noch wichtiger - was geht in seinem Inneren gerade vor?




Was im Körper gespeichert wird


Pferde sind hochsensible Lebewesen. Ihr Nervensystem reagiert fein auf jede Veränderung im Außen. Angst, Stress, Verlust, Überforderung - all das erleben Pferde genauso intensiv wie wir Menschen. Pferde sind Individuen mit ganz unterschiedlichen Vorlieben und Abneigungen. Und genau, wie wir Menschen werden sie durch das geprägt, was sie erlebt haben bzw. aktuell erleben.


Wenn ein Pferd etwas erlebt, das so beängstigend oder belastend ist, dass es diese Angst bzw. diesen Stress nicht alleine bewältigen kann, zum Beispiel


  • einen Unfall,

  • groben Umgang,

  • sozialen Stress,

  • dauerhafte Überforderung oder

  • den Verlust eines vertrauten Gefährten,


dann vergräbt und speichert es dieses traumatische Erlebnis ganz tief im Körper, um es ja nicht noch einmal fühlen zu müssen.


Stell Dir vor, Du hast zu Hause zu viel Krimskrams. Und obwohl Dich das massiv stört, magst Du Dich nicht ganz davon trennen und ihn weggeben. Also schliesst Du den Kram in die Schublade ganz hinten im Schrank ein, damit Du ihn nicht mehr sehen und fühlen musst und wieder funktionieren kannst.


Aber der Krimskrams verschwindet nicht. Er ist immer noch da. Und wenn die Schublade zu voll wird, springt sie auf - in einem Moment, in dem Du gar nicht damit rechnest. Genauso wie die Schublade hält der Körper Deines Pferdes die Anspannung des traumatischen Erlebnisses aufrecht, damit er in ähnlich bedrohlichen Situationen schnell reagieren kann. Und wenn später etwas passiert - ein Geräusch, eine bestimmte Situation, eine Anforderung -, etwas, das an diesen Moment erinnert, reagiert das Nervensystem Deines Pferdes nicht auf die Gegenwart, sondern auf das, was in der Vergangenheit passiert ist.


Dein Pferd schaltet auf Autopilot, um der Gefahr zu entkommen. Es reagiert in diesem Überlebensmodus mit Flucht, Kampf oder Erstarrung. Nicht, weil es dominant ist oder "schwierig" ist, sondern weil sein System glaubt, es müsse sich schützen.




Wenn Anspannung zum Dauerzustand wird - Flight, Fight, Freeze


Viele traumatisierte Pferde leben in dauerhafter Alarmbereitschaft. Der Körper ist angespannt, der Stresshormonspiegel erhöht. Selbst in ruhigen Momenten, findet keine echte Selbstregulation statt. Die Anspannung bleibt.


Vielleicht hast Du schon einmal bemerkt, dass Pferde sehr unterschiedlich auf Stress reagieren.


Manche Pferde explodieren. Sie steigen, bocken, reißen sich los und rennen um ihr Leben. Oder sie zeigen sehr deutliche Aggression. Das sind die aktiven Stresstypen. Sie reagieren in der Regel mit Flight oder Fight - Flucht oder Kampf.


Andere werde still. Sie ziehen sich zurück, wirken lustlos und nicht wirklich präsent. Sie funktionieren, wirken brav und unerschrocken. Aber innerlich sind sie wie abgeschnitten. Das ist die Reaktion der passiven Stresstypen. Sie gehen ins Freeze - ins Erstarren.


Gerade das Freeze wird oft missverstanden. Ein Pferd, das "alles mitmacht", gilt schnell als unkompliziert. Äußerlich ist es nicht immer leicht zu erkennen. Doch diese scheinbare Unkompliziertheit ist kein Zeichen von Vertrauen, sondern von Überforderung. Das Nervensystem ist so angespannt, dass das Pferd permanent in einer Art Freeze erstarrt. Dann gibt es noch die Pferde, die krank werden oder sich immer wieder verletzen. Denn die dauerhafte Anspannung hat nicht nur Auswirkungen auf das Verhalten Deines Pferdes. Sie kann auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Sie beeinträchtigt u.a. den Stoffwechsel. Auch wird die Entstehung von chronischen Erkrankungen begünstigt.


Trauma ist nicht immer spektakulär. Oft ist es subtil, aber es prägt Verhalten und körperliche Gesundheit tiefgreifend.




Wie sich Trauma im Alltag zeigt


Typische Anzeichen von Trauma können sein


  • extreme Schreckhaftigkeit

  • plötzliche Aggression

  • Rückzug oder Teilnahmslosigkeit

  • Widersetzlichkeit beim Verladen oder Ausreiten

  • fehlende Bewegungsfreude

  • chronische Erkrankungen

  • immer wiederkehrende Verletzungen


Manche Pferde leben mit einem permanent erhöhten Cortisol- oder Adrenalinspiegel. Sie kommen innerlich nie wirklich zur Ruhe. Manche legen sich kaum noch hin. Manche nehmen dauerhaft ab oder zu. Der Körper bleibt in Alarm - auch wenn objektiv keine Gefahr da ist.




Es gibt keine "Arschlochpferde"


Ich sage das ganz klar - Verhalten ist keine Charakterfrage.


Wenn ein Pferd tritt, steigt oder sich losreißt, ist das keine moralische Entscheidung. Es ist eine Schutzstrategie.


Die entscheidende Frage ist nicht "Wie unterbinde ich das?", sondern "Was macht das Nervensystem meines Pferdes gerade so unsicher?".




Fallbeispiele aus meinem Alltag


Folgen.



Und was macht das mit Dir?


In den ersten Monaten mit meinem Pferd Maël bin ich jeden Tag voller Sorgen zum Stall gefahren. Ich wusste nie, in welcher Verfassung ich ihn antreffe. Ständig hab ich mich gefragt, ob ich alles richtig mache. Ich hab Unsummen für Trainer, Tierärzte und andere Pferdeexperten ausgegeben, ohne dass sich sein Zustand verbessert hätte.


Nicht nur die Sorge um das Pferd, sondern auch Unsicherheit und Überforderung sind jeden Tag präsent. Viele meiner KundInnen erzählen mir, dass sie Angst vor ihrem eigenen Pferd haben. Sie haben Angst, in Situationen zu geraten, die gefährlich für ihr Pferd und für sie selbst sind. Darüber wird wenig gesprochen. Aber es ist sehr real.


Wenn Vertrauen bröckelt, weil Reaktionen nicht mehr einschätzbar sind, beginnt auch im Menschen ein Stresskreislauf. Nähe wird zur Pflicht. Freude weicht Anspannung. Man funktioniert und versorgt, statt sich wirklich verbunden zu fühlen.


Der Stallbesuch wird zu einer Pflichtveranstaltung. Und Du bereitest Dich innerlich ständig auf das vor, was heute passieren könnte.


In Dir regt sich vielleicht sogar eine leise Stimme, die fragt, ob Dein Pferd woanders glücklicher wäre. Aber gleichzeitig weisst Du, dass Dein Pferd dann zum Wanderpokal werden würde. Denn es wird sich vermutlich auch bei neuen Besitzern nicht anders verhalten als bei Dir. Das willst Du ihm auf keinen Fall antun und deshalb struggelst Du weiter.


Trauma betrifft nie nur das Pferd. Es wirkt in die Pferd-Mensch-Beziehung hinein.




Warum Training hier nicht reicht


Training arbeitet im bewussten Erleben. Es setzt beim Verhalten an. Trauma jedoch ist im Nervensystem gespeichert - auf der Ebene des Unterbewusstseins.


Du kannst Verhalten deckeln. Du kannst es kurzfristig kontrollieren. Vielleicht kannst Du Pferde zum Funktionieren zwingen. Aber Du kannst es nicht heilen, solange die Ursache unangetastet bleibt.


Nochmal, es gibt keine "Arschlochpferde". Es gibt Pferde, deren Nervensystem im dauerhaften Alarmzustand ist.


Deshalb geht es in meiner Arbeit nicht darum, Verhalten zu korrigieren oder das Pferd zum Funktionieren zu bringen. Es geht darum, Sicherheit herzustellen.




Traumaarbeit ist ein Prozess


In der Tierkommunikation darf das Pferd mitteilen, wie es Situationen erlebt. Was ihm Angst macht oder wo es sich übergangen oder allein gelassen fühlt. Dieses Gehörtwerden verändert bereits spürbar etwas, weil das Pferd aus dem Inneren "ich werde nicht gesehen" heraustritt.


Mit dem Seelenlauf arbeite ich zusätzlich körperorientiert auf dern Ebene des Unterbewusstseins bzw. auf der Seelenebene. Dort, wo der Körper das Trauma abgespeichert hat.


Mit dem Seelenlauf bringen wir den Körper dazu, das zu Tun, was er die ganze Zeit vermeiden will - wir bringen ihn wieder dazu zu fühlen. Dadurch kann sich das Nervensystem wieder regulieren. Die dauerhafte Anspannung kann sich lösen. Das bedeutet nicht, alte Wunden aufzureißen. Es bedeutet, dem Körper zu erlauben, sich wieder in Sicherheit zu fühlen. Und oft verändert sich dann mehr, als Training je bewirken könnte.


Traumaarbeit ist selten mit einem Termin erledigt.


Ich beschreibe es oft wie Zwiebelschälen. Schicht für Schicht wird etwas sichtbar. Manchmal geht es bergauf. Manchmal gibt es Rückschritte. Der Prozess verläuft in Wellen - mit Gipfeln und Tälern. Aber die Täler werden flacher. Und insgesamt geht die Bewegung nach oben.




Das kannst Du mir der Traumaarbeit erreichen


Kann der Körper sich wieder sicher fühlen und entspannen, wird Dein Pferd nicht mehr beim kleinsten Anlass in die Luft gehen oder erstarren. Es wird sich in Stresssituationen wieder selbst regulieren können und insgesamt weniger stressanfällig sein. Kommunikation wird klarer. Bewegungsfreude kehrt zurück. Körperliche Gesundheit bessert sich.


Dein Pferd kann lernen, sich wieder selbst zu regulieren. Es muss nicht mehr im Überlebensmodus kämpfen oder erstarren. Es darf wieder leben, nicht nur funktionieren.


Und Du spürst vor allem eins - Entlastung und Erleichterung. Du kannst Deinem Pferd wieder vertrauen.




Vielleicht ist es keine Trainingsfrage


Wenn Du Dich in diesen Zeilen wiederfindest, dann ist das kein Zeichen von Versagen. Es ist ein Zeichen, dass Du hinschaust und Verantwortung übernimmst.


Nicht jedes Verhalten braucht mehr Konsequenz. Manches Verhalten braucht mehr Hinhören. Es braucht keine stärkere Hand, sondern ein reguliertes Nervensystem.


Unsere Pferde sprechen mit uns - jeden Tag. Die Frage ist nicht, ob sie etwas zeigen, sondern, ob wir bereit sind, wirklich zuzuhören.


Wenn Du das Gefühl hast, dass hinter dem Verhalten Deines Pferdes mehr steckt als "Ungehorsam", dann lass uns sprechen. Ursachenforschung bringt Dich schneller ans Ziel als Symptombehandlung.


Ich schenk Dir 15 Minuten für Dich und Dein Pferd, in denen wir besprechen, ob und wie ich Euch unterstützen kann.








Über mich



Katja Hammerschmidt – Tierkommunikatorin und Traumaexpertin für Pferde im Raum Hamburg
Portrait von Katja Hammerschmidt | Foto © Julia Moll Fotografie


Ich begleite Pferdemenschen und ihre Pferde auf ihrem Weg zu mehr Vertrauen, Gesundheit und echter Verbindung - jenseits klassischer Methoden.


In meiner Arbeit verbinde ich Tierkommunikation, körperorientiertes Coaching (Seelenlauf), manuelle Anwendungen, freies Spiel mit dem Pferd (inspiriert durch Intrinzen) und achtsame Pferdefotografie zu einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Geist und Seele.


Immer traumasensibel.

Immer auf Augenhöhe.

Immer mit dem Ziel, dass Du und Dein Pferd Euch wirklich versteht.


Ich arbeite online und vor Ort im Raum Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.


Mit Leichtigkeit statt Druck.

Mit Vertrauen statt Dominanz.


Für ein gesundes, zufriedenes und glückliches Pferd an Deiner Seite.


Bereit, neue Wege zu gehen?





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